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Dieses Buch, in dem eine Art soziologischer Gesamtanalyse unserer Zeit versucht wird, ist nicht neu. Wie aus dem Vorwort zu entnehmen ist, geht sein erster Entwurf auf das Jahr 1915 zurück, als der Verfasser im deutschen Frontheer diente. Zehn Jahre später wurde es erstmals niedergeschrieben und erschien unter dem Titel „Die Kräfte der Gemeinschaft“, der nunmehr in „Die Übermacht der Räume“ geändert wurde.
Die frühe Entstehungszeit macht einiges an dem Werk verständlich. Denn damals lasen, in des Verfassers Worten, nur Marxisten und Liberale Soziologie. Unter den anerkannten Geistes- und Naturwissenschaften hatte sie noch keinen festen Platz gefunden—was in gewissen Grenzen noch heute der Fall ist. So fand Rosenstock-Huessys eigenwilliges Werk damals kaum Widerhall.
Es erscheint jedoch fraglich, ob es diesen Widerhall jetzt finden wird. Denn inzwischen hat sich, vor allem in Amerika, die Soziologie zu einem sehr komplexen und empirisch orientierten Wissenschaftsgebiet entwickelt. Sie hat insbesondere viele moderne psychologische und anthropologische Erkenntnisse in sich aufgenommen, was gerade wiederum in Amerika ein neues Klima soziologischen Selbstverständnisses entstehen ließ. Angesichts der damit erreichten Differenzierung soziologischer Problemstellungen, wie sie sich beispielsweise in den Werken von Talcott Parsons und David Riesmann ausdrückt, erscheinen viele der von Rosenstock-Huessy verwendeten Kategorien zeitfern und unbezogen. Sie scheinen einem eigenartigen begrifflichen Realismus verhaftet zu sein, in dem unter anderem die Zahl vier als Ordnungsprinzip eine wesentliche Rolle spielt. Hierbei diente offenbar Kants Vierteilung der Denkfunktionen in Quantität, Qualität, Relation und Modalität als Vorbild. Bei Rosenstock-Huessy sind es dementsprechend die zentralen Kategorien des Innen (Reflexivum), Außen (Aktivum), Vorwärts (Präjektivum) und Rückwärts (Trajektivum), in denen er seine Gedanken und Einsichten unter verschiedenen Abwandlungen zu ordnen versucht