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Bergler, ein psychoanalytisch orientierter Psychiater, und Kroger, ein Gynäkologe, nehmen in diesem „Anti-Kinsey-Report“ Stellung gegen die Kinsey-Berichte. Ihre Einwände richten sich sowohl gegen die Methodik der Materialsammlung Kinseys und seiner Mitarbeiter, als auch gegen die Art der Auswertung und Interpretation der ermittelten
Daten. Es ist an dieser Stelle natürlich nicht möglich, näher auf die zahlreichen, ausführlich begründeten Argumente der Autoren einzugehen. Immerhin seien im folgenden kurz einige der von ihnen vorgebrachten Haupteinwände gestreift.
In der Mehrzahl der von Kinsey untersuchten Personen- und Berufsgruppen beteiligten sich nur 50-90% der Gruppenangehörigen am Test. Es fand damit eine gewisse Auslese statt, und zwar, meinen Bergler und Kroger, eine Auslese von Neurotikern. (Kein normaler Mensch sei bereit, alles über sein Geschlechtsleben bekanntzugeben.) Die Autoren analysieren dann die Gründe, die eine Preisgabe des intimen Sexuallebens begünstigen. Sie führen unter anderen die folgenden an: Herabsetzung der Schuldgefühle, exhibitorischer Lustgewinn, Bestätigung der Normalität der eigenen Neurose.
Es gibt zudem, so argumentieren sie weiter, keine direkte Fragemethode in sexuellen Angelegenheiten, die einigermaßen wahrheitsgetreue Antworten verspricht. Man denke etwa an die Schwierigkeit, exakte Daten zu erinnern, man denke vor allem aber an die zahlreichen unbewußten Abwehrmechanismen des Ich: an die Gefahr, Tatsachen und Phantasien zu verwechseln, an den Einfluß emotioneller Faktoren, an die zahlreichen Skotome und schließlich an die Beeinflussung der Antworten durch Übertragungsphänomene, Kompensationsbedürfnisse und Ängste.
Bergler und Kroger beschuldigen Kinsey ferner folgender Unkorrektheiten und Mängel: Herbeiziehung falscher biologischer Vergleiche, Gleichsetzung von Dschungel- und Kultursexualität, Verwechslung von häufig und normal, Unkenntnis der prägenitalen Sexualität, Ignorierung psychosomatischer Zusammenhänge und Anwendung