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Was ist „sexuelle Konstitution“? Es ist, erklärt uns die Verfasserin dieses Buches, eine Frauenärztin, „die Sexualität im allerweitesten Sinne des Wortes … der eigentliche Fortpflanzungstrieb mitsamt
den sexuellen Tönungen des gesamten persönlichen Gehabens, der sexualdifferenten Funktionen aller Organe und last not least der seelischen Geschlechtsunterschiede“. Diese Erklärung, wie überhaupt das ganze Werk, ist etwas unklar. Ich will versuchen, die Hauptidee der Autorin kurz zu skizzieren.
Das Geschlecht eines Menschen ist—so sagt sie—weder genetisch noch hormonal eindeutig determiniert. Vielmehr sind die Gen-Faktoren für Maskulinität und Femininität in allen Zellen bei beiden Geschlechtern vorhanden und nur ihr quantitatives Verhältnis, nicht ein qualitativer Unterschied, ist maßgebend für die Geschlechtsbestimmung. Auch ist kein bestimmtes Hormon, sondern das Verhältnis zwischen männlichem und weiblichem Hormon in einem Organismus ausschlaggebend für das Geschlecht. Daher gebe es, wie die jüngere Forschung ergeben habe, von den Hermaphroditen und Homosexuellen eine fließende Übergangsreihe bis zum sogenannten Normalmenschen. Dieser bisexuellen Anlage entspreche ebensosehr eine anatomische wie eine seel sche Intersexualität. Neben dem Problem der Bisexualität besteht das Problem des Infantilismus oder der Subsexualität. Das Zusammenspiel dieser beiden Vektoren (Inter- und Subsexualität) ergibt eine Mannigfaltigkeit, aus der Stourzh-Anderle acht Sexual-Konstitutions-Typen herausschält.
Zunächst unterteilt sie die Menschen in Normosexuelle und Parasexuelle. (Unter dem Normosexuellen soll nicht der „theoretisch Geschlechtseindeutige“, sondern der „praktisch nahezu Normale“ verstanden werden. Was die Verfasserin unter „normal“ versteht, wird nicht näher präzisiert.) Die Parasexuellen werden in Intersexuelle, Subsexuelle und Inter-Subsexuelle geschieden, woraus sich dann die folgenden parasexuellen Konstitutionstypen ergeben: die intersexuelle (virile), die subsexuelle