You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Eine Mutter von vier kleinen Kindern berichtete mir über folgenden Vorfall: Sie hatte eine Freundin besucht, die gerade ihr erstes Kind geboren hatte. Die Freundin empfing sie mit dem sehr gefühlsbetonten Vorwurf: „Warum hast Du mir nicht gesagt, daß einen das Kinderkriegen verrückt macht? Ich wäre am liebsten zum Fenster hinausgesprungen. Jetzt sagen aber alle meine Freundinnen, daß sie ebenso elend dran waren; wenigstens mit dem ersten Kind.“
Es ist meine Absicht, mich im folgenden mit einer seelischen Störung von Frauen, besonders Erstgebärenden, auseinanderzusetzen, die wir Post partum-Neurose nennen können. Therese Benedek spricht häufig von „Post partum-Depression“ oder von „post-partialer emotionaler Insuffizienz“ (2). In ihren Untersuchungen zeigte sie, wie sich der hormonale Zyklus in den psychodynamischen Vorgängen der Frau spiegelt. Da über die psychologischen Stadien des Zyklus in Benedeks Arbeit nachgegelesen werden kann, scheint an dieser Stelle nur eine kürzeste Zusammenfassung gerechtfertigt.
Während der frühen prä-ovulativen Phase des hormonalen Zyklus wird eine Gruppe von Hormonen produziert, die als Oestrogene bekannt sind. Ihr Einwirkungsmechanismus auf die Psyche ist noch unbekannt. Jedoch scheint während der Phase der Oestrogenproduktion der emotionale Zustand von einer aktiven Tendenz der Libido beherrscht zu sein. Das Ich wird mit mehr aktiver Energie versorgt, dies manifestiert sich in der zunehmenden Kraft des Ich, Selbstachtung aufrechtzuerhalten1. Kurz vor der Ovulation beginnt die Produktion eines weiteren Hormons, des Progesterons. Wann immer Progesteron produziert wird, tritt eine passive, rezeptive Tendenz der Libido in den Vordergrund (Benedek). Wärend der normalen Schwangerschaft verursachen diese, jetzt verstärkten, kombinierten hormonalen Vorgänge eine Zunahme der vitalen Energien. Die Tatsache, daß manche Frauen während der Schwangerschaft von Panik erfaßt werden oder einer Depression verfallen, beweist nur, daß eine Entwicklungsst