You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Man hat unser Jahrhundert das Saeculum des Atoms genannt, und das mit Recht; denn einmal stellt die Bändigung der im Atom verborgenen Kräfte zweifellos einen Höhepunkt in der Geschichte der Menschheit dar, und zum anderen beschäftigen diese Kräfte das Interesse und die Phantasie der Allgemeinheit in einem ungewöhnlichen Maße. Unter diesem letzteren Gesichtspunkt kann man unser Saeculum aber auch als ein Jahrhundert der Seele bezeichnen; denn auch hier haben sich das Interesse und die Phantasie der Allgemeinheit in überraschender Einmütigkeit einem Gegenstand zugewandt, der zwar noch weitgehend dem Bereich wissenschaftlicher Diskussionen angehört, der doch aber ebenfalls zu einem Hauptanliegen der Forschung geworden ist.
Ein Jahrhundert des Atoms und ein Jahrhundert des Seele! Kann man sich größere Gegensätze vorstellen? Oder sollten hier doch geheime Beziehungen herrschen? Wenn solche bestehen, so sind sie sicherlich nicht so einfach, wie Pascual Jordan es darstellt, der, angeregt durch die Einsicht in die nicht mehr kausal, sondern nur noch statistisch erfaßbare Gesetzlichkeit im subatomaren Bereich, die Willensfreiheit mit dem Indeterminismus der mikrophysikalischen Vorgänge in Beziehung bringen will. Damit würden Seele und Entscheidungsfreiheit nur in die Elektronensprünge der Moleküle in den Ganglienzellen verlegt.
Ich glaube, daß wir der Frage nach solchen Beziehungen nur näherkommen, wenn wir die veränderte Einstellung der Naturwissenschaften zu sich selbst ins Auge fassen und zusehen, ob damit nicht auch eine Änderung ihrer Einstellung zu den Phänomenen des Seelischen eingetreten ist; ob also mit anderen Worten diese Veränderung auch ein Hindernis beseitigt hat, das die seelischen Phänomene bisher ihren Blicken entzog?