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Freuds Werk, die Psychoanalyse, ist ein Aggregat von Beobachtungen, Forschungsmethoden, Theorien und Behandlungstechniken, die sich mit der menschlichen Persönlichkeit — einschließlich ihrer Pathologie — befassen; nach Hartmanns Wort ist es eine Naturwissenschaft der zentralen Persönlichkeitsphänomene.
Diese scheinbar einfachen Formulierungen kennzeichnen einen Bruch mit einer alten, tiefverwurzelten Tradition der Scheidung zwischen Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften; zu diesen gehören Philosophie, Geschichte, Politik, die sich alle letzten Endes auch mit dem Menschen beschäftigen. In unsern Akademien und Universitäten ist diese Scheidung lange zur festen Einrichtung erstarrt.
Diese Trennung ist ein Teilresultat der vorwissenschaftlichen Analyse der Wirklichkeit, die all unserem Denken zugrunde liegt und die wir als etwas Selbstverständliches hinnehmen, wie die Luft, die wir atmen, und die Sprache, die wir sprechen. Wie so viele der Denkkategorien der westlichen Welt kann auch diese schon skizzenhaft bei den athenischen Denkern des 5. vorchristlichen Jahrhunderts gefunden werden, personifiziert in Anaxagoras und Sokrates. Anaxagoras, Freund des Perikles, gehörte zur Schule der ionischen Naturphilosophie. Obwohl keine Naturforscher im modernen Sinn, müssen die ionischen Naturphilosophen doch als Ahnen oder Vorläufer der Wissenschaft angesehen werden, insofern sie die sichtbare Welt aus natürlichen Ursachen zu erklären suchten. Sie erzielten auch einige wirklich wissenschaftliche Ergebnisse, wie z. B. die Methode, die Entfernnung eines Schiffes vom Hafen zu messen, die Thales zugeschrieben wird.
Dagegen war das Interesse des etwas jüngeren Atheners Sokrates einzig auf die Frage gerichtet, worin die richtige Lebensführung bestehe. Er hielt es, wie Xenophon berichtet, für „Zeitvergeudung, sich mit den Planetenbahnen und den Ursachen ihrer Bewegung zu befassen“. Er wies auf die Widersprüche und Meinungsverschiedenheiten der Naturphilosophen hin und meinte, „daß d