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In dem vorliegenden Bande sind vier Vorträge veröffentlicht, die Ernest Jones zur Feier des 100. Geburtstages von Sigmund Freud hielt. Der Wert dieser Beiträge ist aber zeitlich nicht an ihren festlichen Anlaß gebunden. Sie sind ihrem Inhalt nach von bleibendem und allgemeinem Interesse, Der erste Vortrag behandelt „Das Wesen des Genies“. Jones trägt hier eine Fülle von Gedanken zusammen, die das Lesen zu einem ästhetischen Genuß machen. Der Autor läßt den Leser nie vergessen, daß sich hier ein führender Analytiker mit dem Problem des Genies befaßt. Die Haltung verschiedener Autoren zu dem Genieproblem spiegelt die ambivalente Haltung des Sohnes dem überlegenen Vater gegenüber wider. Freud selber hat niemals den Anspruch erhoben, ein Genie zu sein. In einem Briefe an seine Braut klagte er darüber, daß er nicht sehr talentiert sei; als reiferer Mann lehnte er die Zumutung der Genialität mit einem Scherze ab: „Genies sind unerträgliche Menschen; Sie haben nur meine Familie zu fragen, wie leicht es ist, mit mir zu leben. Somit kann ich kein Genie sein.“
Bezüglich der Definition des Genies bringt Jones nichts Neues. Er erwähnt bekannte Elemente, die er kritisch würdigt, wie die intuitive Inspiration, die Spontaneität und die Periodizität der geistigen Produktivität des genialen Menschen. Freud selbst glaubte, daß seine Produktivität in einem Zyklus von sieben Jahren verliefe, obwohl, wie Jones bemerkt, er die Daten ein wenig strecken mußte, um sie dieser Periodizität anzupassen. Indessen weichen Freuds originellste Werke tatsächlich nur ein oder zwei Jahre von dieser hypothetischen Periode ab. Was die Originalität Freuds betrifft, so findet Jones das Wesentliche seines Genies nicht in den neuen Gedanken, sondern in der systematischen Durcharbeitung seiner Ideen. Vielleicht die einzige wirklich originelle Idee, die Freud formulierte, war die universelle Kastrationsangst der Männer.
Eins der wichtigsten Charakteristika des genialen Wissenschaftlers ist die Kühnheit in der F