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Die Sprache als menschliche Äußerung hat drei Funktionen: sie berichtet etwas, sie sagt etwas über den Sprecher, sie will eine Reaktion im Hörer hervorrufen (Bühler). Die zweitgenannte Funktion ist Gegenstand der Untersuchung des Verfassers. Optische (graphische) Untersuchungsmethoden werden von ihm als unzureichend angesehen, und er legt das Schwergewicht auf die audiokinetische Untersuchung, „das nachschaffende Hören“, das zwar eines Trainings bedarf, aber für das Verständnis der Stimme von neurotischen und psychotischen Patienten von besonderer Bedeutung ist.
Von großem Interesse ist das psychoanalytisch orientierte Kapitel über die Ontogenese der Stimme von der ersten monologischen Schreiperiode über die Lallperiode mit ihrem narzißtischen Lustgewinn (oral und produktiv) bis zur Zeit, in der das Kleinkind die Stimme als emotionalen Ausdruck im Sozialkontakt benutzt; und weiter ihr endgültiges Werden in der Pubertät (Stimmbruch). Zwei große Kapitel bringen ausführlich die zahlreichen Ausdrucksmerkmale der Stimme mit ihren typischen situativen und pathologischen Variationen, z. B. Stimmumfang, Register, Resonanz, Rhythmus, Melodie, Akzente, Pathos, Maniriertheit u. a.
Sprechen und Phonation sind lustbetonte Akte, und im neurotischen Konflikt wird der Stimmapparat im Sinne der Retention oder Aggression gestört. „Alle Neurosen haben besondere Stimmsymptome“, die sich im Mißbrauch des Stimmapparates oder in mangelnder Kontrolle der Stimme äußern können; wobei es typisch sei, daß die normale Stimme sich den jeweiligen Gelegenheiten anpaßt, während die Stimme des Neurotikers an einer starren Schablone festhält. — Die Anwendungsmöglichkeiten der stimmanalytischen Befunde sind zahlreich, und sie werden in ihrer psychodynamischen Bedeutung exemplifiziert (der Sänger, der ewig Klagende, der Zänker). Auf die große Bedeutung der Angst für die verschiedensten Störungsformen der Stimme wird ausführlich eingegangen; und der Verfasser macht im Zusammenhang mit der Neurose des Stim