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Dürckheim bereichert die Mannigfaltigkeit der psychotherapeutischen Arbeitsweisen um eine neue Methode, um die
Übung. Im Harabuch, dem ein zweiter Band folgen soll, beschreibt er allgemein und grundlegend, was Übung ihrem Wesen nach ist, sein soll und in welcher Einstellung sie zu leisten ist. Anschließend entwickelt er die Übung der „leibseelischen Mitte“, d. h. die Haraübung.
Hara ist ein japanisches Wort und bedeutet: Bauch. Also ist der Leser zunächst verblüfft. Erinnern wir uns aber, daß bei Homer der Bauch als „Sitz“ der Seele galt. Bedenken wir ferner, was alles beim Geschehen im gesunden wie im kranken Organismus von den Funktionen der im Unterbauch gelegenen Nervenstränge und -Zentren abhängt, dann erhellt, daß Bauch etwas ganz anderes meinen kann als nur die Körperregion.
Die dem Harabuch beigegebenen Fotos, zeigen, daß bis hinein in die Zeit der Gotik Plastiken und Gemälde vieler Heiligen gleichfalls die Bauchpartie akzentuieren (wer mehr Anschauungsmaterial wünscht, durchblättere Albert Boeckler, Deutsche Buchmalerei vorgotischer Zeit, Königstein i. Ts. 1953). Daß zum Buddha die kräftige Markierung des Bauches gehört, ist jedem Europäer geläufig.
Es muß also ein Geheimnis darum sein, daß heilige Personen nicht nur durch die Hoheit der Gesichtszüge, durch das Ehrfurchtseinflößende ihrer Gebärde unseren Blick anziehen und meditativ bei ihnen verweilen lassen, sondern eben auch durch Betonung der Bauchpartie. Da im Westen wie im Osten dieses Charakteristikum anzutreffen ist, muß es sich um ein ubiquitär mögliches „Zubehör“ des im Religiösen verankerten Menschen handeln.
Eben um dieses Geheimnis geht es im Harabuch. Dürckheim zeigt, daß es keine dem wahren Sein gemäße Verfassung des Menschen gibt, die des Schwerpunkts in der ursprünglichen Mitte ermangelt. Der Wiederentdeckung, Festigung und Bewährung dieser Mitte dient die Übung des Hara. Gefestigtsein im Hara ist ihm gleichbedeutend mit Reife.
Wir schon das Japanbuch des Verfassers, so zeigt auch dieses Buch