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Der Autor erwähnt die Psychoanalyse kaum — was Freud betrifft, so wird auf seinen Villartschcn Handbuchartikel aus dem Jahre 1888 verwiesen und ein Zitat aus dem Bruchstück einer Hysterieanalyse von 1905 gebracht. Beides dient dem Hinweis, daß Freud durchaus konstitutionell-hereditäre Elemente für die Ätiologie der Hysterie in Betracht zog. Daß er nicht weiter auf die Ergebnisse der Psychoanalyse eingeht, begründet Verfasser damit, daß es ihm ja um das Wesen der Hysterie gehe, zu dem die Psychoanalyse keine Beiträge geliefert habe, denn ihre Bedeutung läge nur (! Ref.) darin, „die Pathogenese und Symptomenwähl aufzuzeigen“ (Seite 129). Psychologisches Einfühlen und Verstehen (Seite 130) könne niemals eine ursächliche Erklärung verschaffen, heißt es weiterhin.
Freilich, wenn es dabei geblieben wäre, hätte der Verfasser recht. Daß inzwischen — seit 1905 — von Freud und seinen Nachfolgern über das biographische Verstehen und Einfühlen hinaus Einblicke auch in innerseelische und interpersonale Dynamismen gewonnen wurden, die wohl den Anspruch erheben können, kausale Relationen zu fundieren, muß derjenige übersehen, der von den heute gültigen analytischen Arbeitshypothesen und Theorien keine Notiz nehmen will.
Im übrigen aber handelt es sich sicher um eine gelehrte und gründliche Studie, die in ihrem philosophischen Teil hohe Anforderungen an den Leser stellt. Der Verfasser, der auf dem Boden der Heideggerschen Fundamentalontologie steht und in Anlehnung an Klages die Konzeption des Bild-Ding-Denkens einführt, sieht das Wesen der Hysterie in einem „Verfallen-sein an die Dingwelt“, in einer Beherrschungstendenz ohne adäquate Fähigkeiten, mit kompensatorischer Hypertrophie der Imaginabilität (Seite 119). Der Hysteriker ist unfrei, indem er die dialektische Bewegung von Ding und Bild nicht leben kann. In dieser seiner Unfreiheit liegt seine Krankheit und im Verfehlen der Sinnerfüllung der Existenz seine Schuld (Seite 123). Ob freilich mit diesen beiden Kriterien etwas für die