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Es gehört zur Eigenart des Gegenstandes der Psychiatrie, daß ein und dasselbe Faktum auf grundsätzlich verschiedene Weise betrachtet und erklärt werden kann. Dies zeigt sich in den klinischen Lehrbüchern, wo das Erfahrungsmaterial systematisch gegliedert wird, es tritt aber ganz besonders deutlich dort zu Tage, wo eine Lehre von den krankhaften seelischen Phänomenen an sich versucht wird.
Psychopathologie ist die Schilderung der Erscheinungen, der Versuch einer Ordnung gemäß wissenschaftlicher Erkenntnis, sagt Bash in der Einleitung zu seinem Lehrbuch. Da im heutigen Zeitpunkt durchaus das Bedürfnis nach Neuordnung und Neuorientierung besteht, ist es wichtig, auf dieses Werk hinzuweisen, welches — dem monumentalen Jasperssdien Standardlehrbuch gegenübergestellt — neue Wege geht.
Bash legt seinen Standort zu Beginn fest, indem er sich ausdrücklich auf die Gestaltpsychologie einerseits, auf die analytische Psychologie C. G. Jungs andererseits beruft. Als ein führender Vertreter der Jungsáien Richtung und zudem bis heute in der klinischen Psychiatrie beheimatet, ist er ganz besonders berufen, die Probleme der Psychopathologie von dieser Seite her zu durchdenken. Sein Buch zeichnet sich durch klare Übersicht, systematische Ordnung, reiche Berücksichtigung der Literatur und sorgfältige kasuistische Illustration aus. Da es sich um ein Lehrbuch handelt, konnten verständlicherweise grundlegende methodologische und erkenntnistheoretische Fragen nicht abgehandelt werden. So führt Bash eine prinzipielle Trennung von seelischen Grundeigenschaften, seelischen Grundfunktionen und höherstrukturierten psychischen Vorgängen durch. Dies sind Prämissen, die nicht weiter diskutiert werden und die der Leser als Voraussetzungen annehmen muß. Auf ihnen baut sich alles Weitere auf.
Zu den Grundeigenschaften rechnet er die Gegensatzpaare Bewußtheit—Unbewußtheit, Bewußtes—Unbewußtes, sowie den Antrieb. Diese Abgrenzungen werden in prägnanter Form erläutert, wobei höchstens bedauert werden kann,