You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Es kann als äußerst verdienstvoll gelten, daß W. Kurth es unternommen hat, das bekannte Werk weitgehend zu überarbeiten und zu ergänzen. Durch Heranziehung neuen, umfangreichen Quellenmaterials — das Literaturverzeichnis weist mit 2860 Nummern mehr als doppelt so viel als das frühere auf — ist es zu einem ausgezeichneten Nachschlagewerk geworden. Freilich bleibt offen, ob es gelang, die Lösung des Problems endgültig zu finden, wie von den Autoren gemeint wird. Es wäre auch zu fragen, inwieweit es richtig ist, wenn man formuliert: „Wenn der historische Mensch vom Stachel bionegativer oder pathologischer Antriebe gequält wird, so kommt es statistisch häufiger zu einem Werk, zu einer Leistung überhaupt als beim zufriedeneil Gesunden“ (Seite 261). Mir scheint, hier liegt insofern eine unglückliche Begriffsverwirrung vor, als impliziert wird, daß der zufriedene Gesunde ein mehr-minderbedürfnis- und antriebsarmes, in animalischer Dumpfheit dahinvegetierendes Wesen sei. Die einseitige Anthropologie des Verfassers enthüllt auch der Schlußsatz: „Der Mensch ist das tragische Tier — zwiespältig bis in den Grund seines Wesens, zwiespältig als Tatsache überhaupt und am zwiespältigsten vielleicht dann, wenn er uns entgegentritt in seiner höchsten Form, als Genie“. Derartiges, wie auch noch manche anderen Positionen hätten gewonnen, wenn man sie der „Anstrengung des Begriffes“ unterzogen hätte. Trotzdem bleibt bestehen, daß man das Buch wegen seiner enzyklopädischen Fülle in keiner Bibliothek missen möchte.