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Petrilowitsch, Nikolaus: Zur Auflösung des Hysterie-Begriffes. (Schweizer Archiv für Neurologie und Psychiatrie, Bd. 78, 1956, Heft 1/2, 159 Seiten.)
In mehr oder minder regelmäßigen Abständen wird das Problem Hysterie von Psychiatern und Psychologen neu diskutiert und vom jeweiligen Zeitgeist her interpretiert. Letzthin erschien eine prägnante und ausgewogene, die problemgeschichtlichen Zusammenhänge
berücksichtigende Übersicht von Kranz (Fortschritte der Neurologie, 21, 1953). Nun hat sein Mitarbeiter Petrilowitsch in zwei Mitteilungen von der Krüger-Welleksehen Strukturlehre aus den Versuch unternommen, die Psychologie der hysterischen Reaktion und des hysterischen Charakters zu beschreiben. Dabei gibt er zunächst einen ausgedehnten Überblick über die von verschiedenen phänomenologisch bzw. strukturanalytisch orientierten Autoren gewonnenen Einsichten. Die Zitate reichen von Nietzsche und Scheler über Jaspers und Klages bis zu Heidegger einerseits, und von Kräpelin über Bumke bis zu Kurt Schneider, von Baeyer und von Gebsattel andererseits, um nur die bekanntesten Forscher zu nennen. Die Unterteilung psychogener Krankheiten in Darstellungs- und Intimformen (v. Baeyer) wird übernommen, und das heute allenthalben beobachtete Zurücktreten jener und das Überhandnehmen dieser wird in Beziehung gesetzt zu den „Vermassungs- und inneren Verkargungsprozessen“, denen der moderne „homo oeconomicus“ unterliege (Seite 175). Damit aber besitze der Begriff der hysterischen Reaktion nur noch medizinhistorische Bedeutung, und besser spreche man heute mit Kurt Schneider von abnormen Erlebnisreaktionen, denn die zeitgemäßen Intimformen (Organneurose, vegetativ vasomotorische Dystonie usw.) könnten nicht hysterisch geheißen werden. Verfasser meint, diese Intimformen trügen zugleich das Antlitz des modernen entpersönlichten und diskontinuierlichen, wie aber auch das des ernsthaft gewordenen Menschen, ohne daß er den hierin zutage tretenden Widerspruch klärt.
Auch der Begriff des hyst