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Die Ätiologie der Zuckerkrankheit ist bis heute ungeklärt. Die experimentelle Forschung hat eine unübersehbare Fülle pathogenetischer Einzelheiten zutage gefördert, aus denen die widersprechendsten ätiologischen Theorien entwickelt wurden (9, 13). Der Unerträglichkeit dieses offenen Zustandes versucht die Erbbiologie mit der Klassifizierung des Diabetes als eines Erbleidens zu begegnen. Gegen diese Auffassung erheben sich schwerwiegende Einwände. Erstens ist die Pauschalformulierung: der Diabetes ist ein Erbleiden, unsinnig; denn den Diabetes gibt es nur als Idee. In der Realität gibt es nur ein „diabetisches Syndrom“, charakterisiert durch Blutzuckererhöhung, Zuckerausscheidung im Harn usw., welches bei ätiologisch ganz verschiedenen Grundstörungen zur Beobachtung kommt. Wir haben uns andernorts eingehend mit den ätiologischen Theorien über den Diabetes auseinandergesetzt (2). Trotz der Fülle dieser Theorien ließen wir uns nicht abschrecken, 1953 mit der psychoanalytischen Erforschung des Krankheitsbildes zu beginnen (3, 4, 6, 10). Bis heute haben wir etwa 100 Diabetiker eingehend untersucht und 9 davon längere oder kürzere Zeit seit 1953 psychoanalytisch behandelt. Nebenher liefen testpsychologische Untersuchungen an weiteren 80 erwachsenen Diabetikern (Szondi- und Wartegg-Zeichen-Test) und an 40 jugendlichen Diabetikern (Szeno-Test).
Unsere Forschungen erlaubten uns zunächst einmal, das Krankheitsbild in zwei Gruppen zu differenzieren: das des Jugend- und das des Altersdiabetes. Diese Zweiteilung deckte sich wesentlich mit der, welche die Klinik vornimmt. Wir verstehen unter Altersdiabetes den Diabetes, bei dem die Krankheit erst nach dem 35. Lebensjahr in Erscheinung tritt. Über diese Gruppe war folgendes bekannt: Sie ist siebenmal größer als die der jugendlichen Diabetiker, die Beteiligung der Frauen liegt bei etwa 64 Prozent. Die Patienten gehören vorwiegend den wohlhabenderen Ständen an, und 60 bis 90 Prozent von ihnen sind stark übergewichtig. Die Fettsucht g