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Der Mensch ist, wie kein anderes Lebewesen, auf Erfahrung und Lernen angewiesen. Er verfügt ja nicht mehr, wie das Tier, über starr in der Instinktsphäre verankerte Verhaltensweisen, sondern lediglich noch über Instinktrudimente, Instinktanlagen. Jedoch verdankt er gerade diesem Umstand seine außergewöhnliche Anpassungsfähigkeit und Vielseitigkeit. Er hat sich, wie Lorenz (14) sagt, auf das Nicht-spezialisiert-Sein spezialisiert. Hierin liegt seine Stärke und Überlegenheit anderen Organismen gegenüber, gleichzeitig aber auch der Grund seiner Anfälligkeit, seiner „konstitutionellen Chance, zu verunglücken“.
Dies — und noch vieles mehr — unterscheidet den Menschen ganz wesentlich von den übrigen Lebewesen. Das ist einer der Gründe, weshalb sich viele Forscher wenig Nutzen von der Erforschung des Tierverhaltens für die Humanpsychologie versprechen. Und doch hat die Beobachtung überraschende Parallelen im Verhalten und in der Entwicklung von Mensch und Tier zutage gefördert. Ich möchte das im folgenden an einigen vielleicht noch nicht so bekannten Beispielen zeigen. Dabei halte ich mich vorwiegend an die glänzenden Untersuchungen von Kortlandt (12) am mitteleuropäischen Kormoran. Zunächst will ich versuchen, die Entwicklung des jungen Kormorans bis zur Unabhängigkeit von seinen Eltern kurz zu skizzieren. Der frisch aus dem Ei geschlüpfte Vogel ist, wie alle Nesthocker, noch völlig unbeholfen und absolut auf die Pflege seiner Eltern angewiesen. Dieser Zustand ändert sich erstmals mit 2-21/2 Wochen. Der Nestling lernt plötzlich, seine ungelenken Strampelbewegungen zu wohlgeordneten Gehbewegungen zu gebrauchen und hat damit den ersten Schritt zur Unabhängigkeit vollzogen.
Sein zweiter Entwicklungsschub findet mit etwa 7 Wochen statt, wenn er flügge wird. Schon einige Tage vor diesem Ereignis entwickelt der junge Kormoran einen heftigen Bewegungsdrang: er klettert in den Zweigen des Nestes herum, versucht immer kühnere Übungen, läuft von der Nestmulde zum Nestrand und vom Nest