You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Der 16jährige Denis Lambert1 ist der erstgeborene Sohn einer Tierarztfamilie, die in einem unserer größeren Dörfer wohnt.
Sein Vater bringt ihn zu einer Berufsberatung, die er darum für heikel hält, weil Denis debil sei.
Die Lebensgeschichte (Anamnese): Die Geburt war durchaus normal. Denis wurde sechs Monate lang gestillt und war gesund. Da die Mutter, eine ehemalige Lehrerin, dem Gatten im Labor und der Apotheke half, wurde für den Kleinen eine Säuglingsschwester angestellt. Die Entwöhnung und die Reinlichkeitsgewöhnung gingen ohne Schwierigkeiten vorüber. Als Denis 11/2 Jahre alt geworden war, gebar Frau Lambert ein neues Kind, ein Mädchen. Schon vor dessen Geburt wurde die Mutter krank. Sie kam in eine Klinik, und nachher mußte sie einen Kuraufenthalt von dreiviertel Jahren machen. Sie kam in ein Sanatorium in den Bergen und nahm ihr zweites Kind mit. Denis dagegen wurde in eine Pflegefamilie gegeben, zur Schwägerin der Säuglingsschwester, die ihn betreut hatte. Dort verblieb der Knabe ungefähr ein Jahr lang, und es schien alles in bester Ordnung zu sein. Aber nachträglich kam ans Tageslicht, daß man Denis mit sehr rigorosen Mitteln erzogen hatte. Man schrie ihn drohend an, wenn er nicht ruhig war, man schreckte auch nicht vor Körperstrafen zurück, um ihn zum Gehorsam zu zwingen. In seinem Bettchen band man ihn fest, so daß er sich nicht mehr bewegen konnte, und man erreichte, daß der kleine Knabe äußerst fügsam wurde — als wohldressiertes Kind kam er schließlich in seine Familie zurück und machte in der Folge nie Erziehungsschwierigkeiten. Er gehorchte sogar seinem jüngsten Schwesterchen, das ihn tyrannisierte.
Die Familie Lambert ist gesund. In der Aszendenz des Denis ist väterlicherund mütterlicherseits nichts Verdächtiges.
Denis blieb gesund; außer den Masern machte er keine Krankheiten durch, er hatte auch nie Keuchhusten. Er war still, verträumt und faul, spielte am liebsten für sich allein mit Klötzchen oder anderem Spielzeug. Er äußerte auch nie Kinderängste