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„Schizophrene“, sagte Frieda Fromm-Reichmann in einem Vortrag kurz vor ihrem Tode, „sind nach meiner Ansicht darauf angelegt, mehr Liebe als andere Menschen zu benötigen und mehr Liebe geben zu können“. Ihre manifeste Kontaktstörung liegt demnach, mit anderen Worten, in einem ursprünglichen Kontaktverlangen begründet. Gerade weil sie anlagemäßig dazu befähigt erscheinen, sich tief und anhaltend zu anderen Menschen in Beziehung zu setzen, müssen frühe Belastungen und Hemmungen ihres Kontaktstrebens sich verhängnisvoll auswirken. Denn Nähe bedeutet nun Gefahr. Verzweifelt müssen sie sich gegen das wehren, das sie zutiefst erstreben und zu dem sie befähigter erscheinen als viele oberflächlich gesundere und „normalere“ Menschen: Intimität, Zärtlichkeit und einen nuancenreichen Austausch mit dem Partner. Ihre „Sensibilität“, potentiell ein Instrument für eine vielschichtige Erfahrung der Welt, wird nun fast ausschließlich eine Verteidigungswaffe gegen zu große Zu-Neigung. Und je stärker ihr Kontaktvermögen ist, um so intensiver werden zugleich die Distanz-Manöver im Sinne von H. S. Sullivan mobilisiert, die sich klinisch in der schizophrenen Symptomatik als extremer Autismus, Wahn, Stupor und dergleichen offenbaren können.
Wir wollen hier den sehr komplexen und teils noch ungeklärten Gründen für dieses schizophrene Kontaktdilemma nicht im einzelnen nachgehen. Vieles zwingt jedoch zu der Annahme, daß der Schizophrene seine Kontaktstrebungen als sehr infantile Abhängigkeitswünsche erlebt. Er besitzt aber keine Sicherungen dagegen, daß diese Abhängigkeitswünsche nicht zu einem völligen Aufgehen im Anderen, zu einem Verlust seiner Identität führen, einem Erlebnis, das man sich nicht furchtbar genug vorstellen kann. So greift er leicht zu seiner kokum winger infantilen Sicherung dagegen: zur haßvollen, destruktiven Abwehr, wie sie vor allem von Searles in ihren verschiedenen Spielarten beschrieben wurde. Damit verstrickt er sich aber nur noch auswegloser in seinem Dilemma. Ger