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Freud hätte wohl nichts dagegen, den Menschen mit Aristoteles als animal rationale zu bestimmen; aber bei Freud erscheint die menschliche Vernunft nur als Instrument, das sich die biologischen Triebe zu ihrer Befriedigung geschaffen haben. Der Geist ist Werkzeug des animalischen Lebens. Nun ist diese Auffassung weder ein psychoanalytischer Befund noch eine Folgerung aus tiefenpsychologischen Befunden, sondern er ist der philosophische Vorentwurf, in den Freud seine Befunde einträgt und von dem her er sie deutet. Darum ist die Frage der Mühe wert, was die psychoanalytischen Befunde aussagen, wenn man sie nicht einer biologistischen Anthropologie einordnet und nicht von ihr her interpretiert.
Das geschieht heute auf zwei Wegen: Von innen her stößt die Psychoanalyse in ihrer Selbstauslegung die Schale ihres biologistischen Gehäuses auf, die zu eng für ihre Erfahrungen ist. Was etwa in der Fortentwicklung der Ichpsychologie von Heinz Hartmann und anderen geleistet wurde, entfaltet Ansätze Freuds, die schon bei ihm selbst über den Rahmen einer nur biologistischen Trieblehre hinausweisen. Die psychoanalytische Methode ist ihrem Wesen nach eine unduldsame Kritikerin jeder, auch der analytischen Theorie. Darum gibt es einen innerpsychoanalytischen „Revisionismus“ aus analytischer Erkenntnis. Aber auch von außen werden die Fixierungen der frühen Psychoanalyse angegriffen. Ärzte, Psychologen, Philosophen und Theologen beginnen, die Befunde der Analyse ernst zu nehmen, ihren Sinn und Stellenwert in der philosophischen und theologischen Anthropologie zu bedenken. Das geschieht unter vielerlei Voraussetzungen, deren eine wir hier näher betrachten wollen.
Die aristotelische Formel vom animal rationale sagt mehr, als Freud ihr zugesteht. Der Geist im Menschen wurzelt im Bios und hat Teil an der Thematik des animalischen Lebens. Er ist der Treuhänder dieses Lebens. In seinem eigenen Vollzug, in seinen eigentümlichsten Akten ist der Geist vom Bios getragen und bedingt. Ohne Sinneswahr