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Die Autorin, Schülerin Jungs, berichtet eingehend über zwei Fälle aus ihrer psychotherapeutischen Praxis, unter ausführlicher Mitteilung zahlreicher Träume. Das Besondere bei beiden Patientinnen
ist, daß der den Krankheitserscheinungen zugrunde liegende Konflikt in ungewöhnlichem Grade der religiösen Sphäre entstammte und hier zu einem Problem der persönlichen Existenz geworden war. Beide waren in einem streng konfessionell-kirchlichen (evangelischen) Lebensraum aufgewachsen. Bemerkenswert ist, daß die Therapeutin selber, wie sie sagt, erst aus Anlaß der Arbeit mit diesen Patientinnen sich gezwungen sah, religiösen Fragen näherzutreten, wobei sie „auf völliges Neuland geführt wurde“. Sie erkannte aber alsbald ihre Aufgabe, beiden den Quellgrund religiösen (d. h. numinosen, R. Otto) Erlebens zu eröffnen, von dem sie durch erstarrte, unlebendig gewordene Lehren abgeschnitten waren.
Die erste Patientin, unverheiratet, 32 Jahre, hatte selbst Bibelkurse abgehalten und „steckte mit ihrer Kenntnis von Bibelstellen und theologischem Wissen wohl manchen Pfarrer in die Tasche“. Sie litt an schweren Depressionen und ständigen Selbstmordzwängen, auch Bewußtseinstrübungen, ferner verschiedenartigen körperlichen Beschwerden, kam völlig arbeitsunfähig in die Behandlung. Seelsorgerische Hilfe hatte nichts genützt. Verachtung der Dinge dieser Welt, Ablehnung jeder Erotik (mit 18 Jahren bereits gelobte sie sich Ehelosigkeit und Verzicht auf Liebe) und Vernachlässigung des Äußeren trotz anziehender Erscheinung, aufdringliches Bedürfnis nach Selbstaufopferung für andere, dahintersteckend aber unbewußt ein pharisäischer Hochmut, der einen höheren Maßstab für sich selbst als für andere beanspruchte. In ihren Träumen tritt in immer neuen Bildern der Gegensatz zwischen dem Christentum als einem völlig durchrationalisierten System moralistischer Weltanschauung (mehr im Sinne des Alten Testaments), wie es der Patientin bis dahin geläufig war, und dem Kirchentum Christi hervor, der sich mit