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Die von Tellenbach mit einem um Verständnis werbenden und die Schroffheiten mildernden Vorwort versehenen, aus dem Nachlaß herausgegebenen Bemühungen Wagners müssen wohl in erster Linie als Zeugnis eines Psychiaters genommen werden, der wieder einmal von der Rätselhaftigkeit der Psychosen angerührt worden ist und es mit aller Entschiedenheit abgelehnt hat, sich durch die üblichen, zum Teil von praktischen Notwendigkeiten diktierten Auskünfte
beruhigen zu lassen. Daraus versteht sich die — über das berechtigte Maß hinausschießende — Polemik gegen die „naturwissenschaftliche“ Kennzeichnung der Geistesstörungen als Geistes-„Krankheiten“ und gegen ihr „technisches“ Angehen mit dem Fragen nach „Ursachen“. Statt dessen will W. die Verrücktheit „geisteswissenschaftlich“ auslegen, wovon er sich auch eine therapeutische Förderung verspricht. Diese „geisteswissenschaftliche“ Methode hat freilich nichts mit den gemeinhin als Geisteswissenschaften bezeichneten Disziplinen zu tun; vielmehr zielt sie auf die Erfassung dessen ab, was die Verrücktheit „im Grunde ist“. W. bezieht sich dabei auf Heideggers Bestimmung des Wesens des Menschen als „Hirt des Seins“ oder als des „Seinsverständnisses“ mächtig. Aber wenn nun dieses universale „Sein“ trotz aller gegenteiligen Versicherungen doch nur — im Unterschied zum Seienden — ein Denk- und Sprachgebilde wäre, freilich nicht ein beliebiges „subjektives“, sondern ein vom ursprünglichen Wesen des Denkens notwendig gestiftetes Gebilde? W. hätte diese Möglichkeit gewiß ebenso schroff abgewiesen wie Heidegger. Setzen wir sie dennoch einmal als zutreffend voraus, dann dürfte daraus wohl folgen, daß aus dem „Sein“ der Verrücktheit nichts anderes herauszuholen wäre, als was das „das Sein bedenkende Denken“ zuvor darüber „gedacht“ hat — und das ist nicht eben viel. In der Tat bewegen sich die positiven Aussagen, die W. als „geisteswissenschaftliche“ Interpretation seiner Fälle — eine Phobie, ein von den Klinikern als Hebephrenie mit Liebeswahn