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Der Verfasser geht von der These aus, im „Hintergrund“ der Kinseyschen Darstellungen über das sexuelle Verhalten des Menschen stünde „der Entwurf eines ganz bestimmten Menschenbildes, dessen einzelne Züge trotz der Skizzenhaftigkeit schärfer herausgearbeitet werden können“ (V). „Unschwer läßt sich der Materialismus als geistiger Nährboden dieses Menschenbildes erkennen“ (V). Lutz knüpft an diese Behauptung „die kritische Frage, ob diese Grundlage tragfähig genug ist, der geist-leiblichen Natur des Menschen gerecht zu werden“. „Positiv soll die Kritik im dauernden Hinblick auf die Grundbegriffe Kinseys ein Menschenbild aufweisen, das den Realitäten besser als das Kinseysche entspricht“ (alles V).
Lutz gibt in einem ersten Teil seiner Arbeit eine „Darstellung der Sexualität des Menschen nach den Kinsey-Reporten“. Darin wird mit viel Arbeitsaufwand und zahlreichen Textnachweisen ein neuer Abriß der beiden Kinsey- Bände an Hand eigener Übersetzungen des Verfassers erstellt. Schon dieser „darstellende“ erste Hauptteil enthält in seiner zweiten Hälfte, überschrieben „Das den Kinsey-Reporten zugrunde liegende Menschenbild“, eine Kritik der Anthropologie Kinseys, die diese vom Boden eigener Wertungen des Verfassers aus in Frage stellt. Einleitend dazu hören wir wieder unbelegte Behauptungen (Seite 25): es sei ein selbstverständliches Anliegen Kinseys und seiner Mitarbeiter, ihre statistischen Ergebnisse mit einem bestimmten Menschenbild, einer bestimmten Lehre vom Menschen zu verbinden; dieses Menschenbild sei Voraussetzung und nicht Arbeitsergebnis; seine Gültigkeit sei von Kinsey als einzig berechtigt hingestellt worden. Das Menschenbild Kinseys wird im ganzen als „begrenzt durch die statistische Methode“ gesehen, im einzelnen unterschieden in „Reduktion der Sexualität auf einen statistisch erfaßbaren Mechanismus“, auf „Quantitative Prägung der verwendeten Begriffe“, auf „Abwertung der Philosophie, der Sitten und Religion“, und „Einschränkung der Aufgabe des Wissenschaftle