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Es handelt sich um ein klug und klar aufgebautes und gut geschriebenes Buch. Die Verfasserin hält sich an die Richtung oder Schule von Schultz-Hencke, sucht jedoch, insofern sie dies ohne allzugroße Konzessionen tun kann, auch anderen Schulen gerecht zu werden. Zuerst gibt sie eine gedrängte Einführung in- die Entwicklungspsychologie des Kleinkindes, wobei sie sich — eigentlich — an die Auffassungen Sigmund Freuds hält, aber sich bemüht, die prägenitalen Libidostufen nicht „schon“ der infantilen Sexualität beizuordnen, wie es die ‚klassische‘ Psychoanalyse lehrt. Auch in der Auffassung des Unbewußten scheint ein Unterschied zwischen der Autorin und der psychoanalytischen Schule zu bestehen: man erhält den Eindruck (Seite 58, a 1. 2), daß Dührssen im Unbewußten nur das sieht, was ‚verdrängt‘ worden ist, also einmal bewußt war, und was dann (lt. Autorin) aus irgendwelchen Angstgründen in den bewußtseinsfernen Raum des Unbewußten abgeschoben wurde. Freud1 und auch Jung2 fassen das Unbewußte bekanntlich viel weiter. Andererseits mißt Dührssen der Vererbungslehre, wohl mit Recht, größere Bedeutung bei. Auch dem Oedipuskonflikt und dem passiven und aktiven Kastrationskomplex wird meines Erachtens zu wenig Beachtung geschenkt — fast gewinnt man den Eindruck, die Verfasserin wolle den sexuellen pathogenen Belangen ausweichen oder sie bagatellisieren. — Den zweiten Abschnitt ihres Buches widmet die Autorin einer allgemeinen Neurosenlehre und rückt damit der praktischen Arbeit bereits näher. Ganz nahe steht sie ihr im dritten Abschnitt, der speziellen Neurosenlehre, und hier kann man von der Verfasserin manches lernen: über die Diagnosestellung und neurotischen Manifestationen, auch im charakterologischen Bereich, die speziellen kindlichen neurotischen Verhaltensweisen, die psychischen und psychosomatischen Krankheitserscheinungen in ihrer ganzen Mannigfaltigkeit, schließlich über die Indikationsstellung, die Prognose und Therapie. In diesem dritten Abschnitt, den ich für den