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Das vorliegende Bändchen enthält mehrere Vorträge, von denen einer — „Eine Diebin aus fehlgeleiteter Gewissensreaktion“ — 1955 in der PSYCHE veröffentlicht worden ist.
Zulliger betont, wie sehr es bei der Entwicklung der Ehrlichkeit auf das erzieherische Milieu ankommt, mit dem sich ein Kind identifiziert. Ein Kind ehrlicher Eltern kann durch Identifikation mit den geliebten Erziehungspersonen lernen, Verzichte zu leisten und den anderen das ihre zu gönnen. Ein Kind, das sich mit einem Diebsmilieu identifiziert, läßt das Stehlen nur aus Angst, erwischt und bestraft zu werden, ohne Gewissensreaktion. Wenn solche Kinder in eine andere Umwelt gebracht werden, können sie lernen, die neue Umwelt zu lieben und sich durch Identifizierung mit ihr neue Normen anzueignen. Zulliger berichtet, daß er keinen milieubedingten jugendlichen Dieb sah— sofern er nicht geisteskrank oder debil war —, der nicht durch erzieherische Maßnahmen, zu denen neben Umweltänderung oft auch Psychotherapie gehörte, auf die rechte Bahn gelenkt werden konnte.
Entscheidend für eine Gewissensbildung ist die Bindungsfähigkeit. Bei einigen hochstaplerischen Kindern aus „guten“ Familien fiel ein hochgradiger Narzißmus auf. Sie hatten durch ständig wechselnde Kindermädchen usw. nie Zeit gehabt, Bindungen einzugeben, aus Liebe zu verzichten und ein Gewissen zu entwickeln. Diese Kinder trotzten auch psychotherapeutischen Bemühungen, well sie unfähig waren, eine Übertragung aufzubauen, sich aus Liebe zu identifizieren und dadurch neue Normen und Forderungen anzunehmen.
Es werden verschiedene Reaktionsweisen auf ungesühnte Delikte geschildert:
Unbewußter Selbstverrat durch Fehlhandlungen, um die selbstverschuldete Isolierung aus der Gemeinschaft aufzuheben.
Schlimmerwerden, um Strafen zu provozieren, die auf das Konto des Diebstahls verbucht werden, aber das Gewissen nur vorübergehend zum Schweigen bringen.
Bandenbildungen, die den Hauptzweck haben, durch eine neue Gemeinschaft die Isolierung aufzuheben und Schuld