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Angesichts der chronischen Überforderung der heutigen Schuljugend und der daraus resultierenden Schäden haben Pädagogen, Psychologen und Kinderärzte in letzter Zeit wiederholt zu diesen Fragen Stellung genommen. In den vorliegenden Arbeiten beschäftigen sich Münchner Kinderkliniker mit dem Problem der Anforderungen, die das heutige Großstadtleben an das Kind der höheren Schule stellt.
Die Verfasser ließen sich von 3654 Eltern der 10-11 jährigen, d. h. der im Durchschnitt noch nicht in die Pubertätskrise geratenen Sextaner der Münchner Oberschulen über zwei Wochen durchschnittlicher Schulzeit über Tagesablauf und spezielle schulische Belastungen Auskunft geben. Da insgesamt 73,5% verwertbare Ergebnisse einkamen, ist wohl ein repräsentativer Querschnitt über physische und psychische Belastung der höheren Schuljugend Westdeutschlands gegeben.
Es ergab sich folgendes: Die reine Arbeitsschulzeit (Pausen abgerechnet) beträgt durchschnittlich 25-36 Wochenstunden. Dazu kommen täglich 1,8 bis 2,1 Stunden für Hausarbeiten. Damit wird das, schon um die Jahrhundertwende von Pädagogen geforderte Höchstmaß für diese Altersstufe weit überschritten. Hierzu muß noch die heute fast obligate Wochenendarbeit gerechnet werden, die bei 86% der Kinder dem notwendigen Nachholen des in der Woche nicht erreichten Klassenpensums dient. Außerdem haben die Kinder durchschnittlich eine Stunde täglichen Schulwegs, wobei 2/3 der Kinder ein Verkehrsmittel benutzen und 75 Minuten unterwegs sind.
So ergeben sich insgesamt pro Woche 45 bis 48 Stunden „Schul-Belastung“. Zusätzlich haben 14,5% der Kinder Nachhilfeunterricht, während 25,1% der Kinder ständig von den Eltern bei den Schularbeiten geholfen werden muß.