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Wenn man sich einem speziellen Zweig der Medizin zugewandt hat, so kann es vorkommen, daß man von einem einzelnen — oft abseitigen — Problem gefesselt wird und eines Tages entdeckt, daß man lange Jahre damit verbracht hat, auf diesem Gebiet die Ergebnisse zusammenzutragen. Eine solche „Überschätzung“ eines Gegenstandes ist solange unerheblich, als wir nicht unser Gefühl für die Proportionen verlieren und darüber andere Aspekte der Theorie und Praxis unseres Arbeitsgebietes, in unserem Falle: der Psychoanalyse, aus dem Auge verlieren.
Der Autor hat nun ein solches Spezialinteresse für das Problem der narzißtischen Kränkung entwickelt. Das Urerlebnis der narzißtischen Kränkung kann definiert werden als plötzlicher Verlust der Kontrolle über die äußere oder die innere Realität — oder über beide —, wodurch ein Gefühl des Schreckens und eine Aufstauung narzißtischer Libido oder aggressiver Energie (Destrudo)1 erzeugt wird. Das Gefühl von Schrecken ist nicht mit Furcht gleichzusetzen, in welcher die Niederlage als drohend befürchtet, aber noch nicht selber erlebt wird. Das Gefühl des Schreckens setzt voraus, daß ein äußeres oder inneres Agens die Gesamtpersönlichkeit des betreffenden Menschen überwältigt; die plötzliche Erkenntnis des Verlustes der Kontrolle über die äußere Welt oder über sich selbst ruft dann das quälende Gefühl des Überwältigtseins hervor. Wegen dieses Schreckerlebnisses versucht die Gesamtpersönlichkeit, die erlittene Niederlage zu annullieren oder zu vermindern.
Wenn mich z. B. ein Räuber bedroht und mir meine Brieftasche rauben will, so kann es mir gelingen, ihn zu entwaffnen und zur Flucht zu zwingen. Dann ist mein Schreckgefühl vorüber und ich empfinde ein aggressives Lustgefühl, meinerseits den Räuber in Schrecken versetzt zu haben. Offenbar hat der zuerst gefühlte Schreck meine Aggression mobilisiert, welche die Aggression des Räubers überwunden hat. Falls ich mich aber entschließe, mein Geld hinzugeben, so kann ich mein Leben retten und meinen Sch