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In der Welt der westafrikanischen Neger, die noch in ihren Dörfern leben, scheinen andere psychologische Gesetze zu gelten, als in der unseren. Ich möchte diese Welt durch eine Geschichte beleuchten1.
In einem Dorf am mittleren Niger fielen mir die zahlreichen schönen Getreidebehälter auf, die neben den Hütten standen. Mannshoch, auf einer niedrigen hölzernen Plattform aufgestellt, die in der Mitte eine runde Öffnung aufwies, zeigten alle diese Behälter die gleiche Form. Sie waren aus einem mit Lehm verputzten Geflecht gefertigt, amphorenartig, an der Basis weit ausladend und bauchig und sich nach oben verjüngend, wo der ziemlich schmale Hals in eine runde Öffnung überging, die zum Schutz gegen Regen und Staub von einem abnehmbaren Strohhütchen bedeckt war. Diese Behälter sind dazu bestimmt, das geerntete Getreide, den Mil, aufzunehmen. Jeden Tag steigen die Frauen auf die Plattform und schöpfen mühsam mit der hohlen Hand oder einer kleinen hölzernen Kelle die tägliche Ration an Hirse in ihre Schale aus Kürbis, die Kalebasse. Die kleine Öffnung erlaubt es nicht, ein größeres Schöpfgefäß zu verwenden. Ich frage einen Dorfbewohner, warum die Behälter diese Form haben. Weil der Brauch es so vorschreibt. Ich frage das gleiche noch einmal und beschreibe dazu die Form. Er antwortet: Weil unsere Behälter — er nennt sie Silos — so einen trächtigen Bauch haben (le ventre enceint), sind unsere Felder immer fruchtbar. Warum macht ihr denn die Öffnung oben nicht größer? Ihr würdet euren Frauen viel Mühe sparen, wenn sie mit einem größeren Gefäß schöpfen könnten. Er lacht und sagt: Wir wollen doch nicht, daß unsere Frauen mit einem jedem, der gerade daherkommt, schlafen.
Die archaische Welterfassung, die wir aus der Traumdeutung und aus dem Spiel der Kinder kennen, umfaßt hier den Alltag der Erwachsenen, die Bräuche, welche alles Praktische und Materielle regeln, ebenso wie jene Beziehungen zwischen den Menschen und den Dingen, die wir „magische“ zu nennen gewohnt sind. Alle Ersch