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Hier liegen 20 Vorträge vor, die im Sommersemester 1956 anläßlich des hundertsten Geburtstages von Freud an den Universitäten Frankfurt und Heidelberg gehalten wurden. Die Persönlichkeiten und Themen dieser Vortragsreihe hätten kaum besser ausgesucht werden können. Die meisten der Vortragenden haben Freud persönlich nahegestanden. Wenn es so etwas wie eine Elite der gegenwärtigen psychoanalytischen Bewegung gibt, dann gehören in erster Linie sie dazu. Und dies, scheint dem Rezensenten, bezeugt sich gerade in der Tatsache, daß es ihnen bei aller Bewunderung für Freud möglich ist, seine Gedanken zu kritisieren, zu erweitern und schöpferisch als Anreiz für eigene Einsichten zu verwenden.
Es ist ganz unmöglich, die Fülle und Komplexität dieser zwanzig Vorträge in einem Referat wiederzugeben. Einige Andeutungen müssen genügen.
Erik H. Eriksons erster Aufsatz behandelt „Freuds psychoanalytische Krise“. Dabei handelte es sich, wie Erikson es sieht, um eine dreifache Krise: eine Krise in der Technik der Neurosenbehandlung; eine Krise in der Theorie der Neurosenentstehung und eine persönliche Krise. All diese Krisen haben eine gemeinsame Basis. Nach Kopernikus und Darwin erscheint Freud für Erikson als der dritte der großen revolutionären Denker, die dem Menschen in der Besinnung auf die Gesetze seiner Determiniertheit ein grundlegend neues Lebensgefühl vermittelten.
In einem anderen Aufsatz befaßt sich Erikson mit „Trieb und Umwelt in der Kindheit“. Er betont die Bedeutung der modernen analytischen Ich-Psychologie, die besonders von Heinz Hartmann entwickelt wurde. Anschließend behandelt er die oft erstaunlichen Unterschiede der Persönlichkeitsstruktur in verschiedenen Kulturen. Er geht auf die Kindererziehung der Sioux-Indianer ein, die er selbst besuchte und beobachtete. Er bestätigt daran seine These, „daß Kinder und junge Leute die erstaunlichsten Versagungen und Variationen der Erziehung verarbeiten können, wenn nur die Kultur es vermag, in sinnerfüllender Einheitlichkeit