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Die mir wesentlich erscheinende Grundeinstellung dieses Buches glaube ich am besten zu kennzeichnen, indem ich auf eine Stelle im Vorwort hinweise: der Verfasser äußert den Wunsch, der Leser möge sich an Hand der Tatsachen selbst ein Urteil bilden können. Das Buch hält sich an diesen Grundsatz; es wendet sich an kritisch und selbständig denkende Leser, es teilt mit, legt dar, leistet viel schwierige Arbeit der Klärung und Ordnung auf einem recht unübersichtlichen Gebiet; es versucht aber nicht, zu überreden. Werden persönliche Meinungen ausgesprochen, dann geschieht es nicht in kaschierter Form, sondern in einer als solche erkennbaren Weise; sie werden außerdem nicht häufiger vorgebracht, als es der Gang der Untersuchung zwanglos mit sich bringt. Sachlichkeit und Sachkundigkeit — Eigenschaften, die eigentlich in der Wissenschaft selbstverständlich sein sollten, es aber nicht immer sind — zeichnen dieses Buch in hohem Maße aus.
In übersichtlicher Gliederung ist das Buch in zwei Abschnitte geteilt. Der erste, phänomenologische Hauptteil, mit dem Titel „Die tiefenseelischen Erscheinungen“ stellt sich zur Aufgabe, „die grundlegenden Gegebenheiten und Erscheinungen ausführlich zu entwickeln und an Beispielen darzustellen“. Der zweite, systematische Hauptteil, der die Bezeichnung „Struktur und Aufbau der tiefenseelischen Person“ trägt, soll eine Darstellung der Tiefenpsychologie als eines Grundbereiches der Psychologie überhaupt geben, und zwar nicht unter dem Gesichtspunkt einer speziell-pathologisch orientierten, sondern unter dem einer „allgemeinen Theorie des psychischen Geschehens“ (Vorwort).
Ein solches Unternehmen, das vom Fundament einer allgemeinen Psychologie ausgeht, ist aus mehreren Gründen von Seite der Tiefenpsychologie aus zu begrüßen. Einer derGründe hängt mit einem Umstand zusammen, den der Autor nie aus dem Auge verliert, nämlich damit, daß die Tiefenpsychologie in einem ärztlichen Handeln ihren Ursprung hat. Die Gegebenheiten einer individuellen motivklär