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In der Sprechstunde erscheint eine 63jährige Patientin, die uns vom Hausarzt mit der Diagnose tetanischer Zustände nach einer 1948 erfolgten Strumektomie überwiesen wurde. Drei Tage nach jener Operation habe sie einen schweren Krampfanfall gehabt, später nochmals einige leichtere Anfälle. Seit den letzten Jahren aber sei sie anfallsfrei. Auf die Frage des Arztes, welche Beschwerde sie heute zu ihm führe, vermag die Patientin nur zu antworten: „Seitdem bin ich nie wieder so richtig auf den Damm gekommen.“ Es ist zunächst kaum etwas anderes aus ihr herauszukriegen. Erst nach einigem Bemühen erfährt man z. B., daß ihr die Feldarbeit nicht mehr so von der Hand geht. Sie müsse Pausen einlegen, da sie rasch ermüde. Meist gebe sie die Arbeit nach 1-2 Stunden auf und gehe verdrießlich früher als die anderen nach Hause. Auch Stricken und Stopfen mache ihr Mühe. Nach jeweils einer Viertelstunde müsse sie auch dabei eine Pause machen. Ebenso geht es ihr beim Kartoffelschälen. Mit ihr sei „nichts mehr los“. Sie ärgere sich täglich darüber, daß „alles nicht mehr klappt“. Nichts mache ihr mehr Spaß. Auch auf intensiveres Forschen war von der Patientin zunächst keine andere Auskunft zu bekommen.
Jeder Arzt kennt derartige Kranke, aus denen „nichts Rechtes“ herauszuholen ist. Nur eine ganz allgemeine Art von Beschwerden bekommt man zu hören: Müdigkeit, Erschöpfung, ein allgemeines Versagen vor der täglichen Beanspruchung. So auch hier: „Ich bin seit acht Jahren nicht wieder so recht auf den Damm gekommen.“ Wie in vielen ähnlich liegenden Fällen hatte man auch hier den Eindruck, daß die einfache Kranke nicht nur mit Schwierigkeiten des sprachlichen Ausdruckes zu kämpfen hatte, sondern daß sie ihr körperliches Versagen jetzt eben nur so und nicht differenzierter erlebte.
Erst ganz gezielte Fragen nach ganz bestimmten vermutbaren Beschwerden förderten dann mehr zutage. Wenn man unserer Patientin direkt nach Paraesthesien, Pfötchenstellung der Hände u. dgl. fragte, gab sie, offensichtli