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Die gleichzeitige Einführung der zweiten Trieblehre und der strukturellen Ich-Psychologie hat es meines Erachtens mit sich gebracht, daß einigen analytischen Begriffen und deren Ableitungen immer noch eine gewisse Mehrdeutigkeit anhaftet. Die zweite Trieblehre betrachtet die Aggression als einen Grundtrieb, während in der Strukturpsychologie, die das Ich zu einer Instanz erhob, die Aggression gewissermaßen statt der Selbsterhaltungstriebe der ersten Trieblehre steht. Die daraus entstehende Vernachlässigung der Selbsterhaltungstriebe, die Freud (1) noch 1932 mit Bedauern feststellt, erklärt meiner Ansicht nach unser noch ungenügendes Verständnis der Aggression, besonders wenn dieser Begriff auch noch auf das ausgedehnt wird, was man normalerweise unter „Aktivität“ versteht.
In der vorliegenden Arbeit sollen die zwei verschiedenen Arten der Aggression metapsychologisch abgehandelt werden.
Von Anfang an hielt Freud die Aggression für einen dynamischen Faktor im seelischen Erleben; ihre Rolle änderte sich jedoch mit der Entwicklung seiner Triebtheorien. In der ersten Trieblehre gehört Aggression grundsätzlich zu den Selbsterhaltungstrieben und war nur dann ein Teiltrieb der Sexualität, wenn wie beim Sadismus der Sexualtrieb unter die Herrschaft aggressiver Selbsterhaltungstriebe geriet (2), (3). Freud unternahm die verschiedenen Entwicklungsschritte in seinen Trieblehren (4) weniger um der theoretischen Begriffsbildung willen als vielmehr, um klinisches Material unterzubringen. Klinische Befunde bei den Psychosen einerseits, Beobachtung geschichtlicher Ereignisse andrerseits wiesen auf die Bedeutung der Aggression hin. So geschah es, daß die Aggression, ursprünglich zu den Selbsterhaltungstrieben gezählt, durch (den vierten Entwicklungsschritt, nämlich) die zweite Trieblehre (4) den Rang einer unabhängigen Triebgruppe