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Die Klages sche Charakter- und Ausdruckskunde enthält, meint Binswanger, das Fundament einer heute von vielen Autoren gesuchten „medizinischen Anthropologie“ (Lehre vom Menschsein). Sie ermögliche „bedeutsame und entscheidende Einsichten in das Wesen des Irreseins allgemein, in dasjenige der endogenen Psychosen speziell“. Binswanger nennt Prinzhorn, Carl Haeberlin, Frauchiger, Rothschild, Meinertz, J. H. Schultz als jene Autoren, die bereits versucht hätten, Klages sche Lehren für die Psychiatrie und Psychopathologie fruchtbar zu machen; Leyser (Das Neurosenproblem vom lebenswissenschaftlichen Standpunkt aus, ) und Schorsch (Zur Theorie der Halluzinationen, ), die seinem eigenen Unternehmen viel näher kommen, scheint er übersehen zu haben. Dieses Unternehmen, dessen Versuchscharakter Binswanger ausdrücklich betont, läuft eigentlich auf eine originelle Synthese Klages scher und Schultz-Hencke scher Auffassungen hinaus. Er geht so vor, daß er zunächst die „Grundzüge der Forschungsergebnisse von Ludwig Klages“ referiert, meist Klages zitierend (leider ohne Stellennachweise); aber ich fürchte, daß für einen mit Klages unvertrauten Leser dieses Referat seiner einschlägigen Thesen weder verständlich noch gar überzeugend ist — davon abgesehen, das Binswanger selbst der kritischen Distanz zu Klages ermangelt und als fraglos gültig unterstellt, was vermutlich doch konstruiert sein dürfte. Das gilt etwa von der Klagesschen Behauptung, nach der jeder menschliche Wahrnehmungsvorgang — außer dem geistigen (bewußtpersönlichen)