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Die Arbeit kann besonderes Interesse beanspruchen, weil sie beispielhaft zeigt, daß menschliche Krankheiten zur Erforschung ihrer Pathogenese der Zusammenarbeit nicht allein der medizinischen Fachgebiete, sondern eines größeren Kreises von „Wissenschaften vom Menschen“ erfordern, wenn man nicht vorzeitig dazu übergehen will, Fakten, Hypothesen und bloße Meinungen zu einem trügerischen Wissen zu vereinen.
Die Krankheit, die hier untersucht wurde, hat ihren Namen von einer Zauberpraktik „Kuru“ und tritt nur bei den Eingeborenen des östlichen Hochlandes von Neu-Guinea auf. Über die Zauberei im allgemeinen in diesem Siedlungsgebiet berichtet der Autor, daß sie aggressiven Zwecken dient, sie will dem Opfer „Schmerz, Krankheit, Verletzungen oder den Tod bringen“. Der Zauberer ist keine eigentümliche soziale Rolle, sondern oft mit dem Anführer bei den Stammesfehden identisch, und er wird deshalb von der eigenen Gruppe nicht gefürchtet. Zauberei dient also — neben kriegerischen Handlungen — der Auseinandersetzung mit feindlichen Gruppen; ihre Ausübung wird von der jeweiligen Gruppe gestützt. Der Autor verweist auf Malinowskis Definition dieser Form des Zauberers: „einerseits ist er ein Instrument für Verbrechen, andrerseits eine Methode, um die Konformität in bestimmten Regeln oder Normen zu verstärken“, wobei aber die Frage zu stellen ist, wieweit er von der Gruppe als „legales“ Instrument empfunden wird.
Innerhalb der Eigengruppe werden Zauberpraktiken also nicht gegen Verwandte vom Vater her angewandt, während von den eingeheirateten Frauen (aus den zugleich auch befehdeten Stämmen) erwartet wird, daß sie ihrer väterlichen Sippe gegenüber loyal bleiben. Da die feindliche Fremde an den Grenzen des Stammes beginnt und eigentlich alle Stämme untereinander in einer latenten Dauerfeindschaft leben, bleiben die von außerhalb kommenden Frauen potentielle Feinde. Die persönliche Beziehung zwischen Mann und Frau bleibt überschattet von dieser Gruppenfeindschaft, und in Krisenzeiten