You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Zunehmend wird in den letzten Jahren versucht, Ergebnisse der Erforschung angeborenen Verhaltens (Ethologie) für
die Humanpsychologie und -psychopathologie nutzbar zu machen. Dagegen werden zunächst von Ploog grundsätzliche Einwendungen erhoben. Menschliches Verhalten laufe kaum jemals im Sinne eines angeborenen Auslösemechanismus ab. Begriffe wie „Leerlaufs-Aktivität“ oder „Übersprungshandlung“ (Lorenz, Tinbergen) sollten nicht auf die Psychologie übertragen werden: „Sie können uns nämlich nichts vom Erleben zeigen“ (Seite 85).
Die angeborenen Auslösemechanismen werden nun als kausal wirksame Triebgeschehnisse den verständlichen Bedürfnissen gegenübergestellt, die zwar auch triebgebunden seien, aber als verständliche Zusammenhänge betrachtet werden sollten: „Verständliche und kausale Zusammenhänge (i. S. Jaspers) sollten bei jeder Diskussion über Instinkt, Trieb und Bedürfnisse streng auseinandergehalten werden, was merkwürdigerweise gerade auf diesem Gebiet nicht geschieht. Diese Feststellung ist eine rein methodische. Denn bedenken wir, jedem menschlichen Trieb wohnt ein Bedürfnis inne, und wohl nahezu jedes menschliche Bedürfnis erwächst aus ursprünglich Triebhaftem. Daraus ergibt sich, daß bei Nichtbeachtung des methodischen Ansatzes stets Mißverständnisse zwischen „Kausalforschern“ und „Erlebnisforschern“ auftreten müssen. Von diesem Gesichtspunkt her betrachtet, erscheint es uns vorläufig weniger aussichtsreich, neurotische bzw. erlebnisbedingte Reaktionen in Kategorien der Ethologen erklären zu wollen, jedoch fruchtbar, psychotische Phänomene unter etholo-gischen Gesichtspunkten zu betrachten“ (Seite 86).
Der Autor geht also davon aus, daß in der Psychose das spezifisch Menschliche weitgehend in den Hintergrund tritt und kausale, angeborene Mechanismen, den Erklärungsprinzipien der Ethologen vergleichbar, wirksam werden.
Um diese These zu bekräftigen, wird das psychotische Verhalten einer Vierzehnjährigen kurz skizziert. Dieses noch sehr kindliche Mädchen sch