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Nach einer kurzen Schilderung seiner Geschichte wird in diesem Nekrolog „der Psychopath“ zu Grabe getragen, um, befreit von der begrifflichen Hülle, die ihm nicht zuletzt K. Schneider selbst gegeben hatte, in neuer, noch nicht festgelegter Form ins Leben zu treten. Daß es sich hier um einen Nachruf handelt, wird an dem lapidaren Schlußsatz deutlich: „‚Der Psychopath‘ ist tot, aber es lebt der Psychopath“ (von K. Schneider auf Seite 6 hervorgehoben).
Man kann die Tragweite dieser Feststellung kaum überschätzen. Der Schöpfer eines seit 34 Jahren weitverbreiteten Psychopathie-Begriffes stellt nämlich den Tod eben dieses Begriffes fest und nennt zugleich einige wichtige Todesursachen. Die Kontroverse ging ja im Grunde nie darum, ob es abnorme Persönlichkeiten, Psychopathen gibt — daran konnte niemand zweifeln — sondern darum, ob die begriffliche Fassung und Beschreibung charakterologischer Art, wie sie etwa von K. Schneider gegeben wurden, ein zureichendes und wirklichkeitsgerechtes Bild dieser Menschen entwarf oder nicht. Bekanntlich gab K. Schneider eine „systemlose Typenlehre“ (Seite 49). („Die psychopathischen Persönlichkeiten“ 9. Auflage, Deuticke, Wien, 1950.) Nach leitenden charakterologischen Eigenschaften sind von dem Autor 10 Psychopathie-Typen beschrieben worden. Er selbst hat vor den Gefahren einer solchen, wenn auch unsystematischen Typologie gewarnt und erneut in dieser Arbeit betont, daß die Psychopathie keine medizinische Diagnose sei: „‚Psychopath‘ ist ja doch