You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die Morita-Therapie, wie sie in der japanischen Psychiatrie genannt wird, wurde vor ungefähr dreißig Jahren von dem verstorbenen Prof. Morita ins Leben gerufen und von seinem Nachfolger Prof. Kora an der Jikei-Medizinschule in Tokio weiterentwickelt. Sie wird jetzt von japanischen Psychiatern als eine der wirksamsten Neurosen-Therapien anerkannt.
Der Morita-Therapie zufolge sind alle neurotischen Symptome Ausdruck des gesamten, die inneren Konflikte darstellenden Prozesses oder der durch sie verursachten Leiden, die auf die vergeblichen Versuche des Patienten zurückzuführen sind, seine Angst zu überwinden, sie zu leugnen oder ihr zu entrinnen. Diese Angst wird durch eine spezifische Reaktion des Patienten auf seine Umwelt hervorgerufen. Er hat das Gefühl, seine psychischen wie seine physischen Reaktionen seien nur ihm eigentümlich und unterschieden sich abnormer Weise von denjenigen anderer Menschen. In Wirklichkeit zeigen normale Menschen gewöhnlich die gleichen oder ähnliche Reaktionen, denken oder fühlen aber nie, daß diese etwas Besonderes oder abnorm seien.
So sagt zum Beispiel Morita, daß, wenn wir das erste Mal einem Fremden begegnen, öffentlich auftreten oder eine Rede halten, wie gewöhnlich eine gewisse Spannung und Aufregung empfinden. Im weiteren Verlauf jedoch fühlen wir uns entspannt, oder wir haben uns konzentriert und sind uns der anfänglichen Verwirrung bewußt geworden. Bei einem Neurotiker verhält es sich anders: wenn er Spannung und Aufregung spürt, kann er sich nicht gestatten, in dieser Weise zu empfinden, weil er die Vorstellung hat, als Mann kein Schwächling, das heißt, nicht furchtsam oder aufgeregt sein zu dürfen. Seinem Ideal der Männlichkeit entsprechend, ist er in dieser Hinsicht so empfindlich, daß er seine Reaktion stärker als ein anderer fühlt und sie als Zeichen einer ihm eigentümlichen Schwäche betrachtet. Er sucht seine Verlegenheit zu verbergen und gibt vor, seine Gemütsruhe zu bewahren, während er innerlich von der krankhaften Furcht