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Die Mehrzahl der französischen, deutschen, russischen, amerikanischen, italienischen, jugoslawischen Männer, die heute 40-50 Jahre alt sind, haben als bereits Erwachsene eine Erfahrung gemacht, auf die sie weder eine bürgerliche Erziehung noch der Zivilisationsstil noch eine mehr unbewußte moralische Dressur in irgendeiner Weise vorbereitet hatte. Und selbst wo dieser „Zwischengeneration“ die unmittelbare Erfahrung einer menschlichen Grenzsituation erspart blieb, gerieten sie doch in so unmittelbare Nähe dieser Möglichkeit, daß sie jene Situation bei einiger Phantasie vorwegnahmen oder im Rückblick nachvollziehen können. Gemeint ist die Gefangenschaft, und zwar in ihrem besonderen Aspekt der Kriegsgefangenschaft.
Seit es Menschen gibt und sie sich also streiten, gibt es auch die Bipolarität von Sieger und Verlierer. Der Verlierer sprang über die Klinge — wurde womöglich aufgefressen, eine kurzschließende Übertragung aus der Jägermentalität —, oder er mußte „unter dem Joch“ gehen, wurde in die Sklaverei verkauft, als Arbeitstier verbraucht. Die Soziologen werden entscheiden, ob sich in dem Verzicht auf Schlachtung des Verlierers der Beginn der Arbeitsteilung zu erkennen gibt, und die Moraltheoretiker, ob dieser Verzicht auf Ausrottung des Gegners schon die Morgenröte gesitteterer Zeiten andeutet. Beute war der Verlierer in jedem Fall, und zur Beute werden schloß den apriorischen Verzicht auf menschliche Grundrechte ein, die ohnehin noch nicht erfunden waren.
Wie die Geschichte weiterging, ist bekannt — Henri Dunant und „Genfer Konvention“ stehen hier nur als Chiffren für die humane Gesinnung eines Individuum und die humane Geste eines Staatsverträge unterzeichnenden Kollektivs. Ganz offenbar jedoch reichen weder die Gesinnung eines Einzelnen noch die Geste von Regierungen zu, der penetrant atavistischen Vorstellung vom Recht auf Vergewaltigung eines Wehrlosgewordenen (jedenfalls Verfügung über einen Ausgelieferten) wirksam zu begegnen. Das Gegenteil möchte man annehmen