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„Dort gewährte mir die erste Nahrung eines von den Wesen, die du Raubtiere nennst; ich aber nannte es Mutter, meinte ich doch immer, es habe mich zur Welt gebracht und mir das Dasein gegeben, das ich zu eigen habe …“
Balthasar Gracian: „Criticon oder Über die allgemeinen Laster des Menschen“.
(Deutsche Übersetzung von H. Studniczki, Rowohlt, )
Die Anorexia mentalis (A. m.) bildete seit je ein hart umstrittenes Problem, obwohl sie eines der bestcharakterisierten klinischen Krankheitsbilder darstellt. Ihre präzise Abgrenzung war jedoch nur dank gewisser Weglassungen und Zurechtbiegungen in der Deskription möglich geworden. So wurde beispielsweise eine A. m. bei Patientinnen im Pubertäts- und Postpubertätsalter dadurch abgegrenzt, daß man Anorexie und Amenorrhoe zu Leitsymptomen erhob, was zur Folge hatte, daß die Anorexien des Kindesalters und des Mannes sowie alle Grenzfälle unbeachtet blieben. Dieses Vorgehen bot zweifellos den Vorteil, daß man sich mit geringem Aufwand zurechtfinden konnte; gleichzeitig leitete aber eine solche Auffassung von vornherein jede Diskussion über die Pathogenese der A. m. in eine falsche Bahn und führte zu Unstimmigkeiten.
Wenn man die Geschichte der Begriffsbildung der A. m. verfolgt, findet man die Haupttheorien über deren Pathogenese vorgezeichnet (Albert-Crémieux 1954). Es herrscht die Tendenz vor, die Symptome der A. m. psychosomatisch bzw. somatopsychisch zu betrachten, anstatt eine Krankheitseinheit darin zu sehen. Dies führte schließlich zu einer Aufsplitterung des Krankheitsbildes in immer enger umschriebene Symptomgruppen, von denen die A. m. der Mädchen in und nach der Pubertät noch am sichersten begründet scheint. Ihr klinisches Bild ist klar strukturiert, ihre Ätiologie allerdings noch dunkel. So vielversprechend derartige Konstruktionen anfänglich auch sein mögen, auf die Dauer erweisen sie sich meist als Sackgassen.
Der Terminus „Anorexia mentalis“ war schon bei seiner Einführung zweideutig. Die einen sprachen mit Dupré von ein