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Der Begriff „Psychopathie“ wird von der Mehrzahl der Psychoanalytiker für diejenigen Charakterstörungen verwendet, die den Patienten in Konflikt mit der Gesellschaftsordnung bringen.
Viele Psychoanalytiker lehnen die Behandlung von Psychopathen ab, da die technischen Schwierigkeiten bei Patienten, die beharrlich „agieren“, zu groß seien. Viele Psychopathen können nicht behandelt werden, weil sie keinen Leidensdruck verspüren und weil der Lustgewinn, den die Bekämpfung und Brechung der geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze ihnen einbringt, oft größer ist als die Strafen, die sie sich zuziehen. Daneben befriedigt die unbewußt provozierte Strafe selbst auch noch masochistische Bedürfnisse dieser Patienten.
In manchen Fällen ist es jedoch möglich, den Patienten dazu zu „verführen“, daß er zuhört und die unbewußten Motivationen seines Verhaltens untersucht und analysiert. Wenn wir dem Psychopathen dann beweisen können, daß es uns nicht darum geht, ihn zu „zähmen“ und daß seine Rebellion gegen äußere Verbote nur dazu dient, seine eigenen, inneren Verbote zu verdecken und im Unbewußten zu halten, so können wir ihn vielleicht zur Mitarbeit an der Auflösung seiner psychopathischen Charakterzüge gewinnen.
Die Behauptung, daß Psychopathen kein Überich besäßen, stellt natürlich eine übertriebene Vereinfachung dar, die auf einer nur beschriebenen Einteilung beruht. Die Analyse dieser Patienten beweist, daß ihr Verhalten keine einfache Befriedigung infantiler Triebwünsche ist, sondern das Endresultat eines unbewußten Abwehrmechanismus.
Allerdings scheinen die Ergebnisse dieser Abwehrmechanismen, im Gegensatz zu neurotischen Symptomen, ich-synton zu sein und müssen wenigstens zum Teil dieser ihrer Eigenschaft beraubt werden, ehe sie mit Erfolg analysiert werden können.
Die Diagnose der 35jährigen Patientin, Miss Smith, bereitete keinerlei Schwierigkeiten: sie war eine Psychopathin. Man mußte aber doch mit der Möglichkeit rechnen, daß „unterirdisch“ eine Psychose vorlag,