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Ausgehend von einem „Archetyp“, welchem die biblische Gestalt Kains zum Vorbild dient, versucht der Autor, Theorien mehrerer tiefenpsy ologischer Richtungen zu vereinen. Die an sich interessanten Gegenüberstellungen von Begriffen verschiedener Triebtheorien überzeugen jedoch nicht durchweg. Die behaupteten Zusammenhänge sind überwiegend willkürlich. Man sieht aus dieser Arbeit gut, wie wichtig es ist, nicht alles unter einen Hut bringen zu wollen.
Die Situation der Kains-Gestalt wird ganz unter dem Aspekt der Rivalität gegen den Vater gesehen. Abel ist dabei nur die gute Seite von Kain selbst. Der Kainskomplex bedeutet schließlich nur noch die aggressive Tendenz im Menschen. Dies wird besonders deutlich, wenn der Autor die Zuordnung des „Komplexes“ zu den verschiedenen Triebfaktoren nach Szondi bzw. zu den Instanzen nach Baudouin (Automat, primitives Es, Persona, Ich, Schatten, Über-Ich) et vice versa untersucht. Nach diesen Untersuchungen soll sich der Kainskomplex auch in fast allen Krankheiten vorfinden (Epilepsie, paranoide Schizophrenie, Homosexualität, Selbstmord, Tic, Tetanie, Asthma und Phobien). Es wird geradezu von einem Kainsleiden gesprochen.
Den 30 Seiten solcher Theorie folgen 30 Seiten Krankenberichte, wobei der Autor sich hauptsächlich auf den Szondi-Test stützt. Seine Auffassungen dürfen wohl als vorwiegend intuitiv bezeichnet werden. Folgender Satz möge dies charakterisieren: „Im Asthma-Anfall realisierte. Erna das magische Zeichen der brutalen männlichen Kainsnatur, nämlich das keuchende Atmen…“