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Anlaß zu der Schrift ist die Beunruhigung eines gewissenhaften Denkers und Forschers über den „zunehmenden Verfall des Ethos des Erkennens“, der sich in den heutigen psychologischen Methoden und ihren Anwendungen zeigt. Kunz gibt uns zu bedenken, daß, wenn Psychologie nicht „die unvornehme Methode par excellence“ (F. G. Jünger) bleiben wolle, eine neue Besinnung auf die Größe ihrer Aufgabe und vor allem auf ihren Ursprung sich in dieser Wissenschaft ereignen müsse.
Kunz unternimmt es, die Dimensionen abzuschreiten, in denen sich Psychologie bewegen muß, wenn anders sie ihrer Aufgabe bewußt bleiben will. Ist das psychologische Urteil ein Deutungsakt, was denn befähigt und bestimmt uns überhaupt zu deuten? Diese Frage führt zum Herausarbeiten des Sinnes von Erkennen überhaupt. Kunz stellt sein Ergebnis der aktivistischen Umdeutung gegenüber, die sich in der Neuzeit entwickelt hat. Denn die aktivistisch-vorstellende Deutung von Erkennen bzw. von Denken ist einseitig und verfehlt. Zwei Wesenszüge drohen der heutigen Wissenschaft aus dem Blick zu kommen. Einmal die schlichte Faktizität des Denkens: die Tatsache nämlich, daß den Menschen bei aller Freiheit radikal versagt ist, willentlich überhaupt zu denken oder nicht zu denken; zum andern, daß das Denken vernehmend-entdeckenden Charakter hat. Besonders das Bedenken dieser zweiten Tatsache ist wesentlich:
Allen Psychologen ist zwar klar, daß Erkennen etwas mit Rezeptivität zu tun hat; aber die Rezeptivität wird nur zu oft als eine starr-mechanistische aufgefaßt. Im Augenblick nämlich, da Seiendes äußerer Gegenstand geworden und das Denken als sein adaequater innerer Wahrnehmungsort angesprochen wird, wird, was nicht Denken ist, als „Gefühl“ und dieses nur noch als innere Trübung taxiert. Erst Heidegger hat uns in seinem Begriff der „Befindlichkeit“ den Weg zur alten Affektlehre wieder eröffnet und uns ermöglicht, das Staunen wieder ernst zu nehmen. Tatsächlich stellt denn auch unsere Rezeptivität eine bewegte, beeindruckba