You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Mit der deutschen Übersetzung von G. W. Allports „Becoming“ (Yale University Press 1951) hat der Verlag mit Robert Heiß als Herausgeber eine Schriftenreihe eröffnet, die in einer freien Folge von in sich geschlossenen Einzeldarstellungen möglichst umfassend das ganze Gebiet der Psychologie darzustellen beabsichtigt.
Wie aus dem Untertitel hervorgeht, handelt es sich nicht um eine nur entwicklungspsychologische Studie, sondern es werden im Hinblick auf die zentrale Frage, wie der Mensch zur Persönlichkeit im eigentlichen Sinne des Wortes wird, grundsätzliche Probleme der psychologischen Erkenntnis berührt. In der heutigen Situation der Psychologie stehen sich zwei Grundauffassungen gegenüber, denen sich alle wesentlichen Schulen mehr oder weniger klar zuordnen lassen, die Traditionen von Locke und von Leibniz, von der Rezeptivität oder von der Selbst-Aktivität des Geistes, in der Übertragung auf die gegenwärtigen Auffassungen vom Wesen und Werden der Persönlichkeit. Einseitigkeiten und Unzulänglichkeiten vor allem der methodologischen Zugänge und theoretischen Orientierungen haben ein Dilemma der Psychologie geschaffen und verhindern weitgehend eine integrative Sichtung der Forschungsergebnisse. Das noch in der Ferne liegende Ziel der Psychologie ist, die Uneinigkeit zu verringern und einen Maßstab dafür aufzustellen, was wahrscheinlich Wahrheit ist.
Allports Ausführungen zu einigen Hauptproblemen der Persönlichkeitspsychologie sind besonnene Ansätze zu einer solchen Synthese und können als eine Fortsetzung und Erweiterung seines Hauptwerkes „Personality“ von 1937 betrachtet werden. Die angeborenen Dispositionen umfassen seiner Auffassung nach mindestens drei Faktorengruppen: einmal alles, was im engeren Sinne instinktiv genannt wird, wie Reflexe, Triebe und homoiostatische Prozesse, sodann das „Erbe“, die gen-gebundenen Eigenschaften, und schließlich latente Fähigkeiten wie die Lernfähigkeit (die „Disposition, Strukturen zu bilden“) und eine allgemeine Disposition, in