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Das Phänomen, welches in diesem Buch auf seine Vorgeschichte untersucht wird, ist „die Flucht vor der Freiheit“, die wir heute merkwürdigerweise gerade in den politisch und wirtschaftlich relativ liberalen westlichen Demokratien und auch in der durch die „freie Marktwirtschaft“ international so vielbesprochenen Bundesrepublik finden. Es handelt sich um keine vereinzelte Erscheinung in der Geschichte. Nach Veit gilt vielmehr als generelle Beobachtung, daß gerade dann, wenn die Freiheit eine Schlacht gewonnen hat, ein „Sichverbergen vor dem Freiheitsanruf“, eine Flucht vor der Freiheit einsetzt. Veit schließt daraus: es ist offenbar „jedenfalls nicht der ganze Mensch …, der selbstbestimmend und frei sein will und der dies zu sein vermag“ (12). Deswegen haben kollektivistische, diktatorische Systeme immer wieder Erfolg gehabt. Aber — auch nach dieser Seite kann man eine allgemeine Beobachtung machen: wenn solche Herrschaftssysteme in das Extrem totaler Zwangssysteme entarten, so hat es auch immer wieder „überzeugten, oft aufopferungsvollen Freiheitskampf“ gegeben. Die beiden Erscheinungen zusammen erkennt der Verfasser als Symptome für eine grundsätzlich ambivalente Einstellung des Menschen zur Freiheit.
Dieser Gedanke einer anthropologischen Ambivalenz zur Freiheit ist das Grundthema des Buches. Der zentrale Begriff der Ambivalenz wurde der Tiefenpsychologie entnommen. Die Übernahme des Terminus bei Veit scheint dadurch gerechtfertigt, daß bei der Freiheit ein realdialektischer Bezug zwischen den gegensätzlichen, positiven und negativen Valenzen besteht. Sind die beiden generellen Beobachtungen von Veit richtig, so kann man sagen: eine sich immer weiter steigernde Prädominanz und Realisierung der einen Valenz scheint schließlich selbst zu einem Umschlag in die andere Valenz zu führen. Ist die Freiheit da und herrschend, so flieht man vor ihr; ist sie weg, so kämpft man um sie.
Um den vagen Begriff der Freiheit zu deuten und zu klären, will Veit einmal nicht das philosop