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Bevor wir uns der tiefenpsychologischen Diagnostik organisch Kranker zuwenden, müssen wir auf einige allgemein leitende Prinzipien der tiefenpsychologischen Diagnostik eingehen. Wir fragen zunächst nach ihren besonderen diagnostischen Mitteln, nach der speziellen tiefenpsychologischen Methode, die uns schrittweise von der Diagnostik zur Diagnose führt. Dabei stützen wir uns im wesentlichen auf psychoanalytische Erfahrungen. Mindestens seit den ersten Schriften zur „Ich-Psychologie“, also etwa seit 1920, „läßt sich“, um mit Anna Freud1 zu sprechen, „das Arbeitsprogramm der analytischen Forschung sicher nicht mehr mit dem Namen Tiefenpsychologie decken“. Wir denken bei „tiefenpsychologisch“ sofort an das „Unbewußte“, und es ist ein essentieller Bestandteil jeder tiefenpsychologischen Diagnostik, die unbewußte Komponente jeder Bio- und Pathographie zu erforschen, aber — und das ist der Sinn der Worte Anna Freuds — nie in Isolation und außerhalb der Dialektik von „Ich“ und „Welt“. Am Anfang der Tiefenpsychologie stand, noch ehe der volle Umfang unbewußter Prozesse an unserem Verhalten entdeckt war, die Tatsache, daß „diese Psychologie nicht eine deskriptiv und experimentell forschende Psychologie, sondern“ — R. Heiss2 zitierend — „eine handelnde und behandelnde Psychologie“ war. Daraus hat sich eine Methodik der Beobachtung entwickelt, deren wesentlichster Bestandteil die diagnostische und therapeutische Anwendung der Übertragungs- und Gegenübertragungsvorgänge ist. Diagnostik und Therapie in einem Atemzug zu nennen, ist ungewöhnlich. In der Regel folgt die Behandlung der Diagnose nach, man achtet also auf eine saubere Trennung der Arbeitsvorgänge. Anders ist es in der tiefenpsychologischen Untersuchung. Wohl kann man auch hier versuchen, die diagnostische von der therapeutischen Exploration abzugrenzen, ohne daß es jedoch gelingt, klare Grenzlinien zu ziehen. Es ist aus verschiedenen Gründen wichtig, sich die Abhängigkeit von Diagnostik und Therapie in der Tiefenpsycho