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Von Anpassung spricht man in der Biologie, der Physiologie, der Soziologie und Psychologie, also in jeweils ganz eigenständigen Forschungsbereichen mit sehr verschiedenem Begriffsinhalt. Was hier thematisch auszugrenzen versucht wird, ist die soziale Anpassung, ein besonderes Verhältnis von Individuum und Gesellschaft. Dabei soll die Brauchbarkeit der psychoanalytischen Triebtheorie für das Verständnis dieser Leistung untersucht werden.
Anpassung ist nicht nur Unterwerfung — die neuere Soziologie ist sich dessen voll bewußt —, sondern durch die Anpassung vollziehen sich ebenso Veränderungen des bestehenden Milieus.
Meist sieht man nur die eine Seite: eine durch die technische Erfindungszivilisation unstet gewordene Umwelt verlangt rasche, passive Anpassung im Sinne des „Arrangez-vous“, der Akkommodation. Das Auge des Menschen, die Muskeln akkommodieren sich den gegebenen Verhältnissen; so vermag sich auch die Lebensform, das Selbstverständnis des einzelnen zu akkommodieren. Es ist wichtig zu sehen, daß die Eigenart des Menschen aber nicht nur diese Plastizität aufweist, sich neuen Umweltbedingungen zu akkommodieren, d. h. passiv anzupassen, sondern daß er sie zu assimilieren versteht. Assimilation heißt zunächst Aufnehmen äußerer Energie in den eigenen Haushalt und ihre Nützung. In unserem Zusammenhang ist damit gemeint, daß wir uns angebotene Verhaltensformen zu eigen machen. Diese mit Forderungscharakter uns angetragenen Verhaltensweisen treffen aber in uns auf ältere Äußerungsformen unserer Triebnatur. Der Assimilationsvorgang ist schon deshalb nicht rein passive Anpassung, weil die endogenen Triebbedürfnisse unablässig weiterbestehen und nach einer aktiven Gestaltung der Umwelt streben, die ihnen günstig ist zur Erreichung des Triebzieles: Entspannung.
Die Assimilation zwingt uns also, mit unseren eigenen Kräften neu zu disponieren; das äußere Stück Realität wird in der Auseinandersetzung mit der inneren „verdaut“, verändert. Wir werden in einer neuen Welt andere,