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Vorliegendes Referat1 will keine allgemeine Darstellung des wichtigen und schwierigen Themas geben. Wir gehen von der anschaulichen Erfahrung der psychotherapeutischen Praxis kommend induktiv vor und beschränken uns auf den therapeutischen Aspekt des Problems. Das kasuistische Material wurde aus der kurzen Psychotherapie, als einer speziellen Form der Psychotherapie, gewählt, weil hier die Verhältnisse einfach und übersehbar sind. Es dürfte richtig sein, das Deutungsverfahren nicht isoliert und vom Zusammenhang der zwischenmenschlichen Beziehung Arzt—Patient losgelöst zu betrachten. Es gilt aus der Gesamtschau zu versuchen, etwas Allgemeines über Wesen und Wirkung der Deutung zu gewinnen.
Erstes Beispiel: Frau Anna, 26jährig, leidet seit drei Monaten unter der heftigen Furcht, sie könnte ein abnormes Kind gebären. Die Furcht überfiel sie, als sie in der Zeitung von einem solchen Vorkommnis las. Schon die Begegnung mit einem Kind, das eine Hasenscharte hat, löst Angst und Erregungszustände aus. Seitdem ist sie ratlos und stark deprimiert. Patientin ist seit vier Jahren verheiratet, aber erst seit vier Monaten haben die Eheleute beschlossen, ein Kind zu wollen. Sie ist noch nicht gravid.
In der ersten Sitzung bringt die Exploration folgendes Material heraus: Der Ehemann ist ein guter, tüchtiger Mann, Frau Anna eine stille, nach innen gekehrte Frau, die unter seinen Zornausbrüchen leidet (sie ist sein Blitzableiter). Seine Mutter sei eine heftige, böse Frau. Bis vor kurzem wollte er aus Eifersucht keine Kinder: er wolle die Liebe seiner Frau nicht mit einem Kinde teilen, denn er habe viel nachzuholen. Patientin steht ratlos und entmutigt vor seiner Heftigkeit, denn sie ist, genau wie ihre Mutter, eine „stille Dulderin“. Die Deutung dieser Phobie und anschließenden Depression, ein abnormes Kind zu bekommen, besagt, daß die Patientin einen leidenschaftlichen, mehr oder weniger unbewußten Widerstand gegen ihren Gatten hat; sie möchte kein Kind von ihm wegen der bös