You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Müller-Bek stellt sich die Aufgabe, Grundsituationen zu erörtern, die der Volksschullehrerberuf mit sich bringt, und auf die notwendigen Grundhaltungen des Lehrers einzugehen. Er glaubt, mit seinem Beitrag das Charakteristische der psychischen Erlebnis-faktoren bei der Arbeit des Volksschullehrers herauszuarbeiten.
So anerkennenswert es ist, den psychischen Problemen des Lehrers nähere Beachtung zu schenken, in dem vorliegenden Fall muß der Einseitigkeit und der ungerechten Wertung widersprochen werden.
Zur Klärung der Standpunkte ist es zweckmäßig, den von Müller-Bek zur Diskussion gestellten Ansichten zu folgen und sie jeweils kritisch zu beleuchten.
1. Müller-Bek sagte, daß der Lehrer in einer „Zwangswelt“ lebt, in der er als „Affektunterdrücker“ in Erscheinung tritt. Nun spielt zweifellos die Disziplin, seit es Schüler gibt, im Verhältnis des Lehrenden zu den Lernenden eine beachtliche Rolle. Müller-Bek übersieht aber, daß es neben einer äußeren auch eine innere Disziplin gibt, die als Voraussetzung einer in Gemeinsamkeit erfolgenden schulischen Arbeit angesehen werden muß. Hat schon die äußere Disziplin mit ihrer Schulung zu Anpassung und Ordnung positive Seiten, die innere, freie Disziplin muß unbedingt Ziel des Lehrens sein. Sie wächst aus Liebe zum Erzieher, auf Grund seiner persönlichen Autorität und aus Interesse am Unterrichtsstoff. Ist es nicht gerade die Aufgabe des Volksschullehrers, seinen Unterricht nicht nur vom Stofflichen, dem Objektpol, her zu gestalten, sondern in Auswahl und Darbietung der psychologischen Komponente, der Erlebniswelt der Schüler, dem Subjektpol, Rechnung zu tragen? Müller-Bek übersieht, daß es kein ferner Wunschtraum der Pädagogik, sondern weithin angewandte Wirklichkeit ist, auch die genannten Fächer Rechnen, Grammatik, Diktate, Sprachübungen nicht rational und abstrakt, sondern lebensvoll zu behandeln. Wo das gelingt — und man sollte diese Tatsache nicht einfach negieren — da erfordert das „Bei-der-Stange-Halten“ der Schüler nic