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Die in der Einleitung gestellte Frage, „ob die Psychoanalyse und die Daseinsanalytik etwas und wenn ja, was sie miteinander zu schaffen haben“, wird in sieben Kapiteln diskutiert und in einer gewiß aufsehenerregenden Schlußfolgerung auf den Seiten 151-153 folgendermaßen beantwortet:
Das in der psychoanalytischen Therapie unausgesprochen, aber faktisch von Anfang an wirksame Menschenverständnis werde durch die Daseinsanalytik Martin Heideggers expliziert. „Der Einklang von psychoanalytischer Praxis und daseinsanalytischem Menschenverständnis“, mit welchen Worten M. Boss das 6. Kapitel überschreibt, konnte bisher nur deshalb nicht erkannt werden, weil Freud „in katastrophaler Art sein eigenes, unmittelbares und ursprüngliches Menschenverständnis, das ihm, ohne sein Wissen zwar, doch faktisch und allein die Entdeckung seiner psychoanalytischen Praxis überhaupt erst ermöglicht hatte, durch seine theoretischen Konstruktionen sogleich wieder zerstörte“ (Seite 24). Sei die psychoanalytische Theorie erst „über Bord geworfen“ (Seite 116, Seite 151), dann stehe nichts mehr dem Einklang von psychoanalytischer Praxis und der Daseinsanalytik Martin Heideggers entgegen. Diese beiden Verfahren hätten nicht nur eine bloße Klangverwandtschaft, sondern stimmten auch noch darin überein, daß sie im Grunde gar keine „Analysen“ in der heute üblichen Bedeutung dieses Wortes seien. Weder die eine noch die andere wolle das zu Analysierende, wolle den Menschen in seine Bestandteile zerlegen, so daß dann ihrem Tun eine Synthese nachzufolgen hätte. Beide Male gehe es vielmehr um ein Analysieren im Sinne eines Durchsichtigmachens des Menschenwesens, seiner Struktur und Gliederung.
Boss meint also, daß Freud in seiner psychoanalytischen Praxis, insgeheim und ohne es zu wissen, bereits Daseinsanalytiker war und nur durch einen unglücklichen Hang zur Theorie und befangen im Denken seiner Zeit daran gehindert wurde, die Daseinsanalytik zu explizieren und also Heidegger vorwegzunehmen.