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Traditionstreue in Ehren, doch rechtfertigt sie nicht ohne weiteres Neuauflagen wissenschaftlicher Bücher. Im Fall
des vorliegenden Bändchens, das 1933 die erste, 1948 die zweite Auflage hatte, überwiegt der wissenschaftsgeschichtliche den Erkenntniswert. Es gehört einer Ära an, in der die formale Soziologie, deren Umkreis es entstammt, noch sinnvoll war, weil sie überhaupt zum Nachdenken über gesellschaftliche Phänomene anregte, die die Öffentlichkeit nicht gerne zur Kenntnis nahm. Das hat sich längst geändert. Auch kam die Soziologie inzwischen zu Einsichten, die einige der hier vorgetragenen als gestrig ausweisen.
Pieper will Grundformen der Gesellung, „ewige“ Gestalten des zwischenmenschlichen Lebens herausarbeiten, denen, wie er meint, gleichfalls invariante Grundformen sozialer Spielregeln entsprechen. Er unterscheidet drei Formen der „Gruppe“: Gemeinschaft, Gesellschaft, Organisation; drei Formen des „Kreises“: Masse, Kräfte-system, Gliederungsgefüge. Diesen sechs Gesellungstypen werden idealtypisch Spielregeln zugeordnet, die das Verhalten der sich Gesellenden regieren, regieren müssen, wenn die Gruppierung nicht ernstlich gestört werden soll: Liebe in der Gemeinschaft, Verfolgung des Eigennutzes bei Anerkennung des Partnerinteresses in der Gesellschaft, Funktionsteilung und Funktionsverteilung in der Organisation. Die Spielregeln der „Kreise“ kann man auf Seite 141 bis 156 nachlesen. Der Autor weiß, daß seine Kategorien und Resultate kaum Aufschluß geben über das Funktionieren konkreter historischer Gesellschaften. Sie sollen nur als Vorarbeiten der Analysen dienen. Ob aber die von ihm verwendeten Begriffe, wie z. B. Hafttiefe, Artmoment und Mehrschaft, die Untersuchung zentraler gesellschaftlicher Phänomene tatsächlich erleichtern, mag man bezweifeln. Niemand wird die Wichtigkeit der Begriffsklärung leugnen. Doch nutzt sie nur, wenn die Kategorien dem zu erforschenden Objekt angemessen bleiben und wenn ihre Bestimmung sich nicht in allgemeinsten Aussagen