You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Die in der klinischen Psychiatrie übliche Einteilung der Hypochondrie in eine melancholische und psychogen-demonstrative Form ergänzt der Autor durch Heraushebung einer dritten Gruppe mit den folgenden charakteristischen Leit-symptomen: Sie befällt meist in der Lebensmitte stehende, in stabilen Verhältnissen lebende Menschen, die ein abnorm gesteigertes leibliches Sicher-heitsbedürfnis zeigen, aus dem heraus sie die Endlichkeit und Todesbedroht-heit des menschlichen Leibes weder annehmen noch sich ganz darüber hinwegtäuschen können. Sie verfallen statt dessen einer hypochondrischen Angst, welche wie gewisse Phobien und Zwänge als Ausdruck einer existentiellen Vertrauenskrise zu gelten hat. Diese Angst erfaßt sie vorwiegend in der Einsamkeit und knüpft sich an Sensationen, welche vom Herzen, vom Kreislauf und vom Kopf ausgehen. Sie ist deshalb kaum zu erschüttern, weil sie in der Ungeborgenheit des Daseins selbst begründet ist und nicht etwa auf ein isolierbares Trauma zurückgeht. Als Angst um das „nackte Leben“ ist sie stets auch Sorge um ein geglücktes Dasein, in dem sich der Mensch seinem Leibe anvertrauen kann, anstatt sich im vergeblichen Versuch, dessen Dienst-barkeit zu erzwingen, aufreiben zu müssen. Der Autor diskutiert dieses immer häufiger auftretende Krankheitsbild an Hand einer weitausholenden, gründlichen Auseinandersetzung mit den modernen existential-philosophischen und daseinsanalytischen Leibtheorien, in deren Aussagen über die kommunikative Bedeutsamkeit des Leibes er Ansatzmöglichkeiten für die Therapie erblickt.
M. Eicke (Heidelberg)