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Wenn wir von der Frühkindheit sprechen oder darüber nachdenken, in Erinnerungen schwelgen, sind wir geneigt, diesen Abschnitt des menschlichen Lebens als den schönsten anzusehen.
Man war geborgen im Schutz von Mutter und Vater, man fristete ein völlig sorgenloses Dasein, man erlebte “Nestgefühl” und “Heimatgefühl”, und all das, was man zu seiner Existenz nötig hatte, wurde uns gegeben, ohne daß wir darum kämpfen und auch nur einen Finger rühren mußten.
Wir sind dann erwachsen geworden, haben einen Zustand erreicht, den wir als Kinder sehnlichst herbeiwünschten—und jetzt ist alles so gänzlich anders als einst. Wir sind auf uns selber gestellt, und wenn wir uns fragen, finden wir, daß wir uns eigentlich nur auf uns selber sicher verlassen können; wir sind eingereiht in den Arbeitsprozeß und haben des Tages Last zu tragen. Ringsum begegnet uns die Konkurrenz, und wir müssen sehen, wie wir uns ihr gegenüber behaupten. Und wenn wir hinblicken über unsere Entwicklung, dann seufzen wir wohl und sagen: “Einst war es doch so schön—damals, als wir uns noch im goldenen Jugendland befanden!” Es erscheint uns im verklärten Lichte.
In unserer Erinnerung steigen wie besonnte Inseln im Meere der Vergessenheit einzelne Erlebnisse auf, die uns herzlich erfreuen und die, wie wir entdecken, unser weiteres Leben bestimmt haben—die gar unsere Grundhaltung bestimmen.
Von einer solchen Erinnerung möchte ich berichten.
Ein 50jähriger Mann, Alfred, erinnert sich daran, daß er als dreijähriges Büblein von seinem Vater ein Steckenpferd geschenkt erhielt.
Die Familie wohnte einsam, der Bub hatte keine Kameraden und war ein Einzelkind. An seinem Steckenpferd hatte “Alf”, so reifen ihm die Eltern, eine unbändige Freude: es wurde sein erster Kamerad. Er behandelte es, als wäre es ein lebendiges Wesen, sprach mit ihm, ließ sich, durch die eigene Zunge, von dem Tierlein Antwort geben, er fütterte es, stellte es in den Stall, versah es mit Stroh, ritt mit ihm aus.
Nun wechselte die Familie ihren Wohnort. Al